Stereo-DiSk
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Projekt Stereo-DiSk

Stereotype als Hindernisse für professionelle Diagnostik im inklusiven Schulkontext

Das Projekt untersucht die Bedeutung von Stereotypen für die Qualität der förderbezogenen Diagnostik im inklusiven Schulkontext.

Praxis und Forschung zeigen, dass Stereotype über Lernende mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) weit verbreitet und auch bei (angehenden) Lehrkräften vorhanden sind. Solche Stereotype könnten Hindernisse für eine professionelle Diagnostik darstellen, wenn sie dazu führen, dass bestimmte Informationen übersehen oder überbewertet werden.

Das Projekt untersucht Stereotype über Gruppen von Kindern mit SPF bei Lehramtsstudierenden. Mithilfe simulierter Diagnostiksituationen wird überprüft, auf welche Weise Stereotype die Beurteilung einzelner Schüler*innen mit SPF beeinflussen. Schließlich wird untersucht, wie der Einfluss von Stereotypen auf den diagnostischen Prozess verringert werden kann. Hierzu wird u.a. die Wirkung einer Intervention zum Abbau von Stereotypen und zur Förderung diagnostischer Kompetenz analysiert.

Das Projekt untersucht drei miteinander verbundene Fragestellungen:

1) Verringern Stereotype von Lehrkräften die Qualität des diagnostischen Prozesses bei der Beurteilung von Schüler*innen mit SPF?

Wir erwarten, dass die Aktivierung von Stereotypen über bestimmte SPF dazu führt, dass Lehramtsstudierende vermehrt stereotypkonforme Informationen zur Diagnostik auswählen (H1.1), stereotypkonforme Informationen stärker gewichten (H1.2), sowie bei der Beurteilung der betreffenden Schüler*innen je nach Art des Stereotyps zu einem negativeren Ergebnis kommen (H1.3).

2) Welche individuellen Unterschiede bestehen in den Verzerrungseffekten durch Stereotype?

Wir nehmen an, dass bei Lehrpersonen mit guten Kenntnissen über die jeweiligen SPF weniger Verzerrung im Diagnoseprozess auftritt (H2.1), da diese insgesamt weniger Stereotype in Bezug auf diese Schüler*innengruppen aufweisen, und dass bei Lehrpersonen mit guten diagnostischen Kenntnissen weniger Verzerrung im Diagnoseprozess aufgrund des stereotypen Denkens auftritt (H2.2), da diese aktivierte Stereotype besser kontrollieren. Beide Bereiche professionellen Wissens sollten also als Moderatoren für den angenommenen Effekt von Stereotypen auf den Beurteilungsprozess wirken.

3) Wie kann der Einfluss von Stereotypen auf das diagnostische Verhalten von Lehrkräften verringert werden?

Wir nehmen an, dass die Wirkung von Stereotypen auf den diagnostischen Prozess durch verschiedene Maßnahmen verringert werden kann, nämlich  (H3.1) eine Intervention, die direkt am Abbau von Stereotypen ansetzt, indem sie Wissen über die jeweiligen SPF vermittelt und bedeutsamen Kontakt zu entsprechenden Personen ermöglicht, (H3.2) eine Intervention, die an der Förderung diagnostischer Kompetenz im Allgemeinen ansetzt, indem sie ein Bewusstsein für professionelle Diagnostik vermittelt, und eine Intervention, die beide Bereiche kombiniert. Entsprechend der Forschungslage erwarten wir, dass diese kombinierte Intervention wirksamer ist als Interventionen, die nur einen der beiden Bereiche adressieren (H3.3).