ReLari
ReLari

Leitung

Finanzierung

Laufzeit

2012 - 2013

Projekt ReLari

Relatives Lebensalter als Lernrisiko

Das Projekt ReLari untersucht den Zusammenhang zwischen dem relativen Alter von Kindern oder Jugendlichen und unterschiedlichen Performanzmaßen in schulischen Lernkontexten.

Damit wird ein Phänomen aufgegriffen, das schon seit den 1960er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Pädagogischen Psychologie bekannt ist: In Jahrgangsklassen, die nach kalendarischen Stichtagsregelungen gebildet werden, weisen die vergleichsweise jüngeren Kinder eines Jahrgangs oft eine vergleichsweise ungünstigere Entwicklung ihrer schulischen Leistungen auf. Sie erhalten seltener eine Gymnasialempfehlung und wechseln seltener auf das Gymnasium, bekommen schlechtere Noten und müssen häufiger eine Klasse wiederholen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ADHS oder eine Lernstörung diagnostiziert wird, ist bei den vergleichsweise jüngeren Kindern ebenfalls höher. Relative Alterseffekte führt man im allgemeinen auf ein komplexes Zusammenspiel reifungs- bzw. entwicklungsbedingter Unterschiede in den individuellen Lernvoraussetzungen, differentieller pädagogischer Interventionen und unterschiedlicher leistungs- bzw. vergleichsbezogener Rückmeldungen, Wahrnehmungen und Attributionen des Verlaufs der eigenen Lern- und Leistungsentwicklung in einer gegebenen Lernumgebung zurück. 

Anhand bereits vorliegender Daten wurde untersucht, ob sich das relative Lebensalter von Kindern tatsächlich als Risikofaktor ihrer schulischen Lern- und Leistungsentwicklung erweist. Wichtige methodische und konzeptuelle Vorüberlegungen  betreffen vor allem die Angemessenheit von Vergleichen zwischen den Kindern unterschiedlichen chronologischen Alters und die Definition von Vergleichsgruppen relativen Lebensalters, die Berücksichtigung der Wirksamkeit selbstselektiver Prozesse bei der Zusammensetzung von Jahrgangsklassen sowie die Auswahl der Phänomenbereiche und Leistungsindikatoren. Ergebnisse aus Analysen von Daten der IDeA-Projekte SpröM und FLORI haben gezeigt, dass es bei der Entwicklung basaler Lesefertigkeiten zwar in geringem Maße zu relativen Alterseffekten kommt, dass aber solche Effekte schon am Ende der 2. Klassenstufe nicht mehr nachzuweisen sind.

Ausgewählte Publikationen

Gold, A. (2013). Vom richtigen Zeitpunkt. Lehren & Lernen, 39, 21-24.

Gold, A., Duzy, D., Rauch, W., & Quiroga Murcia, C. (2012). Relatives Lebensalter und die Entwicklung schulischer Leistungen. Zeitschrift für Bildungsforschung, 2, 193-208.