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Pluralisierung von Familienformen, Diversität und soziale Ungleichheit

Prof. Dr. Daniela Grunow, Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Aufzeichnung des Vortrags vom 29. Januar 2020, Ort: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

In den letzten Jahrzehnten hat die Institution Familie in Europa drastische Veränderungen erfahren. Diese hängen eng mit dem Wandel der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und den politischen Rahmenbedingungen zusammen, die diesen Wandel begleitet haben. Seit den 1960er Jahren haben sich etwa die Erwerbspartizipationsraten von Frauen in vielen Ländern mindestens verdoppelt. Diese Entwicklung geht vor allem auf den Anstieg berufstätiger verheirateter Frauen und Mütter zurück. Entsprechend beobachten wir das Verschwinden des Ernährer-Hausfrau-Modells in Europa zugunsten von Beziehungsmodellen, in denen beide Partner erwerbstätig sind. Seit den 1980er Jahren steigt die Zahl europäischer Länder mit besonders niedrigen Fertilitätsraten. Elternschaft wird aufgeschoben und Kinderwünsche seltener realisiert.

Mit der Pluralisierung der Lebens- und Familienformen in den letzten Jahrzehnten vollziehen sich weitere Veränderungsprozesse, die ebenfalls eine Abnahme geschlechtsspezifischer arbeitsteiliger Arrangements mit sich bringen und die Familien, aber auch das Bildungssystem, vor neue Herausforderungen stellen. Reflektieren diese Entwicklungen eine allgemein geringere Wertschätzung von Familie und Kindern? Der Beitrag widmet sich dieser Frage und beleuchtet dabei das Spannungsfeld von Familienleben, Erwerbsarbeit und (Schul-)Bildung.