Startseite / Bildung praxisnah / Öffentliche Vorträge / Gesellschaft im Wandel – Schule im Wandel?!

Gesellschaft im Wandel – Schule im Wandel?!

Im Wintersemester 2019/2020 veranstaltet das IDeA-Zentrum mit der Hessischen Lehrkräfteakademie und der Goethe-Universität Frankfurt eine öffentliche Vortragsreihe zum Thema „Gesellschaft im Wandel – Schule im Wandel?!“. Die kostenfreie Veranstaltung richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Studierende sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Die Vorträge finden jeweils von 16.00 bis 18.00 Uhr am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Campus Westend, Rostocker Str. 6, 60323 Frankfurt am Main statt.

Im Anschluss gibt es die Möglichkeit, sich mit den Referentinnen und Referenten bei einem kleinen Snack auszutauschen.
Für Lehrkräfte ist die Veranstaltung akkreditiert.

Der Eintritt ist frei!


Übersicht der Vortragstermine

Mittwoch,
29.01.20

Pluralisierung von Familienformen, Diversität und soziale Ungleichheit

Prof. Dr. Daniela Grunow, Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels, Goethe-Universität Frankfurt am Main

In den letzten Jahrzehnten hat die Institution Familie in Europa drastische Veränderungen erfahren. Diese hängen eng mit dem Wandel der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und den politischen Rahmenbedingungen zusammen, die diesen Wandel begleitet haben. Seit den 1960er Jahren haben sich etwa die Erwerbspartizipationsraten von Frauen in vielen Ländern mindestens verdoppelt. Diese Entwicklung geht vor allem auf den Anstieg berufstätiger verheirateter Frauen und Mütter zurück. Entsprechend beobachten wir das Verschwinden des Ernährer-Hausfrau-Modells in Europa zugunsten von Beziehungsmodellen, in denen beide Partner erwerbstätig sind. Seit den 1980er Jahren steigt die Zahl europäischer Länder mit besonders niedrigen Fertilitätsraten. Elternschaft wird aufgeschoben und Kinderwünsche seltener realisiert.

Mit der Pluralisierung der Lebens- und Familienformen in den letzten Jahrzehnten vollziehen sich weitere Veränderungsprozesse, die ebenfalls eine Abnahme geschlechtsspezifischer arbeitsteiliger Arrangements mit sich bringen und die Familien, aber auch das Bildungssystem, vor neue Herausforderungen stellen. Reflektieren diese Entwicklungen eine allgemein geringere Wertschätzung von Familie und Kindern? Der Beitrag widmet sich dieser Frage und beleuchtet dabei das Spannungsfeld von Familienleben, Erwerbsarbeit und (Schul-)Bildung.

Mittwoch,
12.02.20

Lehrkräfte als Wegbereiter von schulischen und gesellschaftlichen Veränderungen

Prof. Dr. Mareike Kunter, Professorin für Pädagogische Psychologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main

2019 hat Mareike Kunter die Auszeichnung "Scientist of the Year" von der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung für ihre wegweisende Arbeit als Bildungsforscherin erhalten.

Gesellschaftlicher Wandel wird in den Schulen besonders sichtbar: Die Veränderung von Zielvorstellungen und Werten, die Entwicklung neuer Medien und Vermittlungstechniken oder neu zusammengesetzte Schülerpopulationen fordern von Lehrkräften ein hohes Maß an Anpassung und stetiges Dazulernen.

Der Vortrag stellt empirische Forschung zur professionellen Kompetenz von Lehrkräften dar und zeigt Bereiche auf, in denen eine Veränderungsbereitschaft seitens der Lehrkräfte besonders gefragt ist. Da empirische Studien zeigen, dass Lehrkräfte unterschiedlich mit diesen Herausforderungen umgehen, werden Implikationen für die unterschiedlichen Phasen der Lehrerbildung diskutiert.

Donnerstag,
27.02.20

Sprachen im Wandel

Prof. Dr. Rosemarie Tracy, Professorin für Anglistische Linguistik, Universität Mannheim

Nicht nur unsere Gesellschaften unterliegen ständigem Wandel, auch Sprachen wandeln sich in der Zeit. Dies betrifft einmal ganz offensichtlich die sprachlichen Systeme von Kindern und von Lernenden im Allgemeinen, die sich während des Spracherwerbsprozesses auf systematische Weise verändern. Aber auch von Generation zu Generation verändern sich sprachliche Systeme und führen zu dem, was man als „Sprachwandel“ bezeichnet.

Der Vortrag wird auf diese Dynamiken eingehen und diskutieren, welche Art von Erfahrung mit einer sprachlichen Umgebung Lernende brauchen, damit Erwerbsprozesse in Gang gehalten werden und was der kindliche Spracherwerb zum intergenerationellen Sprachwandel beiträgt.

Mittwoch,
11.03.20

Der Umgang mit Kontroversität als Grundlage für Demokratiebildung an Schulen

Dr. Bernt Gebauer, Leiter des Projekts "Gewaltprävention und Demokratielernen", Hessisches Kultusministerium

Der schulische Alltag in ganz Europa ist geprägt von vielfältigen, oftmals als schwierig wahrgenommenen Auseinandersetzungen, Widersprüchen und Kontroversen. Sie finden sowohl auf politischer, zwischenmenschlicher als auch auf inhaltlicher bzw. curricularer Ebene statt. Erfahrungen aus den USA zeigen auf, wie gesellschaftliche und politische Spannungen bzw. Polarisierungen sich direkt und indirekt auf die Lernatmosphäre im Klassenzimmer auswirken.

Diane Hess und Paula McAvoy sprechen in ihrer Studie „The Political Classroom“ davon, wie gegenseitiges politisches Misstrauen außerhalb der Schule zu mehr gegenseitigen Verdächtigungen innerhalb von Schule führt – mit der Folge, dass einige Lehrkräfte besonders „aufgeladene“ Themen im Unterricht komplett vermeiden, während andere Kontroversität an sich komplett ausschließen (vgl. Hess/McAvoy 2015: 8). Das Unterrichten kontroverser Themen stellt Lehrkräfte und Schulleitungen also vor besondere Herausforderungen. Die Fähigkeit, sensible und kontroverse Themen in einer respektvollen Weise zu thematisieren, ist jedoch eine für eine demokratische Gesprächs- und Schulkultur zentrale Fähigkeit.

Der Vortrag Der Umgang mit Kontroversität als Grundlage für Demokratiebildung an Schulen erörtert diese Problematik und zeigt erste Schritte für die Fortbildung und Qualifizierung von Lehrkräften sowie eine entsprechende demokratiepädagogische Schulentwicklung auf.

Mittwoch,
01.04.20

Panel-Diskussion: Schule im Wandel?!

Prof. Dr. Andreas Gold (Goethe-Universität Frankfurt/M.), Frank Holzamer (Hessische Lehrkräfteakademie), Jürgen Kaube (Herausgeber der FAZ und Autor des Buches Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?), Prof. Dr. Dominique Rauch (PH Ludwigsburg), Martin Spiewak (Wissenschaftsjournalist; Schwerpunkte Bildungspolitik, Wissenschaft und Forschung) und Andrea Zimmermann (Leiterin der Gesamtschule Geistal, Bad Hersfeld)
Moderation: Prof. Dr. Marcus Hasselhorn (DIPF)