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Projekt WorlD

Was ist das Projekt WorlD?

Das Projekt WorlD (Working memory and scholastic learning in children with intellectual disabilities / Arbeitsgedächtnis und schulisches Lernen von Kindern mit niedriger Intelligenz) untersucht zwei miteinander verknüpfte Fragenkomplexe. Zum einen wird überprüft, welche Bedeutung Leistungen in den verschiedenen Bereichen des Arbeitsgedächtnisses für die Vorhersage schulischer Vorläuferfähigkeiten sowie für die Vorhersage der Leistungen im Lesen, Schreiben und Rechnen von Förderschülern im Alter von ca. 10 Jahren haben. Zum anderen werden mögliche Erklärungen für die besonderen Probleme von Kindern mit niedriger Intelligenz in verbalen Kurzzeitgedächtnisaufgaben getestet.

Hintergrund des Projektes WorlD

Es ist bekannt, dass Arbeitsgedächtnismaße zur Vorhersage von Leistungen im Lesen, Schreiben und Rechnen beitragen und dass Komponenten des Arbeitsgedächtnisses bei Kindern mit spezifischer Lese-Rechtschreibstörung oder Rechenstörung beeinträchtig sind. Außerdem hat sich wiederholt gezeigt, dass Kinder mit unterdurchschnittlicher Intelligenz schlechter in Arbeitsgedächtnisaufgaben abschneiden als Kontrollkinder gleichen chronologischen Alters und dass ihre Fähigkeit, sich verbales Material kurzfristig zu merken sogar im Vergleich zu jüngeren, nach dem mentalen Alter parallelisierten Kindern beeinträchtigt sein könnte.
Allerdings ist die Rolle, die das Arbeitsgedächtnis für den Erwerb des Lesens, Schreibens und Rechnens von Kindern mit niedriger Intelligenz spielt, noch nicht hinreichend geklärt. Es gibt nur wenige Studien zum Zusammenhang von Arbeitsgedächtnismaßen mit Schulleistungen bei Schülern mit niedriger Intelligenz und deren Ergebnisse sind uneinheitlich. Studien zur Beziehung zwischen Arbeits-gedächtnisleistungen und Vorläuferfähigkeiten des Schriftsprach- oder Mathematikerwerbs fehlen gänzlich für diese Schülergruppe.
Der Leistungsunterschied zwischen Kindern mit niedriger Intelligenz und jüngeren Kindern der Kontrollgruppe gleichen mentalen Alters in verbalen Kurzzeitgedächtnisaufgaben deutet darauf hin, dass bei Kindern mit niedriger Intelligenz die Entwicklung des verbalen Kurzzeitgedächtnisses nicht nur verzögert abläuft, sondern dass sich die Entwicklungsverläufe in den beiden Gruppen qualitativ unterscheiden könnten. Worin dieser Unterschied besteht, ist noch unklar.

Fragestellungen des Projektes WorlD

Vor dem dargestellten Forschungshintergrund untersucht das Projekt WorlD die folgenden Fragestellungen:

  • Wie fallen die Leistungen in verschiedenen Arbeitsgedächtnisbereichen von Förderschülern mit niedriger Intelligenz im Vergleich zu (jüngeren) sich typisch entwickelnden Kindern aus?
  • Unterscheiden sich mentale Prozesse in verbalen Kurzzeitgedächtnisaufgaben zwischen Förderschülern und jüngeren, nach dem mentalen Alter parallelisierten Kindern? Nutzen Kinder mit niedriger Intelligenz das innere Wiederholen? Sind ihre Wortrekonstruktionsprozesse weniger effizient?
  • In welchem Zusammenhang stehen verschiedene Arbeitsgedächtnisleistungen mit Vorläuferfertigkeiten für den Schriftspracherwerb und den Erwerb des Rechnens bei Förderschülern?
  • Welche Bedeutung haben die verschiedenen Arbeitsgedächtnissubsysteme für den Erwerb des Lesens, Schreibens und Rechnens bei Kindern mit niedriger Intelligenz?

Das Projekt WorlD untersucht das Arbeitsgedächtnis und dessen Bedeutung für den Schriftsprach- und Mathematikerwerb von Förderschülern mit niedriger Intelligenz. Die Erkenntnisse des Projektes sollen in die Entwicklung von Förderprogrammen zur Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses von Förderschülern bzw. von Unterrichtsstrategien zur erfolgreichen Vermittlung des Lesens, Schreibens und Rechnens trotz schwachem Arbeitsgedächtnis beitragen.

Forschungsdesign des Projektes WorlD

Das Projekt WorlD arbeitet mit zwei Hauptvergleichsgruppen im Längsschnitt, zieht für einzelne Fragestellungen aber punktuell weitere Vergleichsgruppen hinzu. Bei den beiden Hauptvergleichsgruppen handelt es sich um Förderschüler, die zu Beginn des knapp zweijährigen Längsschnittprojektes 9 bis 10 Jahre alt waren, sowie um Erstklässler (nun Zweitklässler) aus Grundschulen.
Am Anfang der Projektlaufzeit sollten die teilnehmenden Kinder in Aufgaben zu Vorläuferfertigkeiten beispielsweise sich reimende Wörter erkennen. Im Sommer 2010 wurden dann mit standardisierten Schulleistungstests die Lese-, Rechtschreib- und Rechenleistungen der Kinder erfasst. Außerdem bearbeiteten die Kinder an mehreren Messzeitpunkten verschiedene Arbeitsgedächtnisaufgaben am Computer. Die Gedächtnisaufgaben wurden und werden so zusammengestellt, dass einerseits die verschiedenen Komponenten des Arbeitsgedächtnismodells von Baddeley (phonologische Schleife, räumlich-visueller Notizblock, zentrale Exekutive) abgedeckt werden und dass wir andererseits Prozesse innerhalb der phonologischen Schleife genauer untersuchen können, die für die Probleme mit verbalen Kurzzeitgedächtnisaufgaben verantwortlich sein könnten.

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Gerhard Büttner
Sebastian Poloczek, Dipl.-Psych.

Kontaktinformationen

world@idea-frankfurt.eu