Projekt ReAL
Was ist das Projekt ReAL?
Im Projekt ReAL (Neurobehavioral Development of Reading and Arithmetic Skills - A Longitudinal Study) steht die Untersuchung der normal verlaufenden und der gestörten Entwicklung des Lesens und Rechnens im Mittelpunkt. Hierfür wird eine Fusion zwischen Verhaltens- und neurowissenschaftlichen Erfassungsmethoden auf längsschnittlicher Ebene angestrebt.
Hintergrund
Lesen und Rechnen sind zentrale kulturelle Fertigkeiten. Wie deren Erwerb zustande kommt und warum dieser bei manchen Menschen problematisch verläuft, ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt.
Im Verhalten zeigen sich die Einschränkungen in der Verwendung von weniger elaborierten Strategien (Siegler, 1986). Auf neuronaler Ebene treten beim Vorliegen von Dyslexie oder Dyskalkulie funktionelle und strukturelle Abweichungen in Netzwerken auf, deren Relevanz fürs Lesen bzw. Rechnen gezeigt werden konnte (Shaywitz et al., 2006; Ansari, 2008).
Fragestellung
Basierend auf den geschilderten Befunden stehen im Projekt ReAL folgende Fragen im Fokus:
- Wie entwickelt sich der Gebrauch von spezifischen Lese- und Rechen-Strategien?
- Wie entwickeln sich die neuronalen Systeme für das Lesen und das Rechnen im Verlauf der Schulzeit?
- Können überschneidende Ursachen für ein komorbides Auftreten von Dyslexie und Dyskalkulie identifiziert werden?
Untersuchungsdesign
Basierend auf Voruntersuchungen, in denen Vorläuferfertigkeiten des Rechnens und Lesens erfasst wurden, werden ca. 100 Kinder für die längsschnittlichen Untersuchungen ausgewählt. Neben einer Kontrollgruppe von Kindern, die in keinem der beiden Bereiche Auffälligkeiten zeigen, werden Gruppen von Kindern gebildet, die ein Risiko für eine einzelne Entwicklungsstörung aufweisen, und solchen, die ein Risiko für eine Kombination beider Störungen aufweisen. Ausgehend von der Ersterfassung kurz nach der Einschulung im Herbst 2009 werden im Verlauf der Grundschulzeit jährliche Untersuchungen durchgeführt.
Den Kindern werden Lese- und Rechenaufgaben verschiedener Schwierigkeit präsentiert. Dabei werden die Kinder auf Verhaltensebene umfassend untersucht (siehe Mikrogenetische Analyse nach Siegler, 1986), um die Identifikation verschiedener zur Anwendung kommender Strategien zu ermöglichen. Zusätzlich werden die neuronalen Grundlagen mittels verschiedener neurowissenschaftlicher Methoden sowohl funktionell während der Bearbeitung der Aufgaben (fMRI,EEG) als auch strukturell (DTI) untersucht.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
Dr. Sven Lindberg
Jan Lonnemann
Kontaktadresse