Projekt PaSS
Was ist das Projekt PaSS?
Im Rahmen des Projektes PaSS (Prävention an Schulen: Eine Studie über individuelle Passungsaspekte) beschäftigen wir uns mit dem Themengebiet Prävention an Schulen und versuchen herauszufinden, wie Präventionsangebote von Kindern im Grundschulalter wahrgenommen werden. In den vergangenen Jahren zeichnete sich eine steigende Tendenz ab, Präventionsangebote an Grundschulen einzusetzen, was vermutlich als Folge vermehrter Berichte von Erziehenden, Lehrerpersonen sowie Eltern über eine Zunahme von aggressiven Handlungen und hyperaktiven Verhaltensweisen von Kindern in Kindergärten und Schulen gesehen werden kann. Eines der Ziele moderner Bildungspläne ist aus diesem Grund die Verringerung bzw. Vorbeugung der genannten Verhaltensauffälligkeiten sowie der Aufbau sozialer Kompetenzen. Beispielsweise hat das Land Hessen in seinen Bildungsstandards definiert, dass es zu den wesentlichen Aufgaben der Schule gehört, auch überfachliche Kompetenzen zu vermitteln. Zu diesen überfachlichen Kompetenzen zählen beispielsweise Rücksichtnahme und Solidarität, gemeinsames Arbeiten, Kooperation und Teamfähigkeit sowie Konfliktlösekompetenzen. Zur Erreichung dieser Bildungsziele wurden in den vergangenen Jahren diverse Programme routinemäßig in den Bildungsalltag in Kindergärten und Schulen integriert. Beispielhaft seien hier Programme wie "Faustlos", "Klasse2000" und "Papilio" genannt. Da die Qualität von Maßnahmen zur Förderung sozialer Kompetenzen stark variieren kann, ist es wichtig, bei der Auswahl auf bestimmte Merkmale einer Maßnahme zu achten. Zu diesen Merkmalen gehören z.B. die Wirksamkeit bei der Verbesserung sozialer Kompetenzen, die subjektiv erlebte Nützlichkeit, der zeitliche Aufwand, die Alltagsrelevanz oder auch die Kosten. Im Rahmen von PaSS interessieren wir uns für das individuelle Erleben von Präventionsprogrammen aus der Sicht von Grundschulkindern, sowie ihren Lehrkräften und Eltern. Wir analysieren, wie Kinder ein Präventionsprogramm wahrnehmen und wie sie dieses bewerten, um daraus Erkenntnisse zur Verbesserung von Prävention abzuleiten.
Ziele des Projektes PaSS und Fragestellungen
Im Rahmen unserer Studie möchten wir herausfinden, wie Kinder, deren Eltern sowie Lehrkräfte die Ziele von Präventionsprogrammen wahrnehmen, was sie für wichtig erachten und ob sie die Methoden des Programms als angemessen einschätzen. Des Weiteren interessieren wir uns für die individuelle Beurteilung des Nutzens von Präventionsprogrammen im Alltag und für die kindliche Entwicklung. Außerdem interessieren wir uns für die Frage, ob es zwischen Kindern mit unterschiedlich starken Ausprägungen im Nutzenerleben Unterschiede im Hinblick auf die in Präventionsprogrammen erlernten sozialen Kompetenzen gibt. Langfristiges Ziel ist somit die altersgerechte Optimierung von bereits bestehenden Präventionsprogrammen unter breitem Einbezug der Sichtweise aller Beteiligten.
Hintergrund zu sozialer Validität
Gegen Ende der 1970er Jahre haben Forscher systematisch damit begonnen, eine Kombination objektiver Maße und subjektiver Einschätzungen bei der Evaluation von präventiven und interventiven Angeboten in den Blickpunkt zu nehmen. Es wurde als kritisch im Hinblick auf die Effektivität eines Präventionsprogramms angesehen, wenn die Teilnehmer und Anwendet eines Programms dieses nicht als nützlich einschätzen oder es schlicht nicht mögen. Der Relevanz der Programminhalte für den Alltag von teilnehmenden Grundschulkindern kommt also eine besondere Rolle zu. Ein Programm hat aber auch besonders dann gute Voraussetzungen für Erfolg, wenn die Methoden und Vorgehensweisen von den Teilnehmern und Anwendern wertgeschätzt werden. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass die Vorgaben eines Programms sorgfältig und mit höchster Integrität verfolgt werden. Dem gegenüber kann eine schlechte Implementationsqualität eines Trainings aus der fehlenden Motivation bei der Umsetzung und nicht wahrgenommener Wichtigkeit resultieren. Es kann also angenommen werden, dass gute Präventionsprogramme effektiv Verhaltensänderungen unterstützen und soziale Kompetenzen aufbauen können und dabei gleichzeitig ein hohes Ausmaß an sozialer Akzeptanz aufweisen.
Der Fachterminus in dieser Forschungsrichtung lautet soziale Validität. Ein Programm ist nach diesem Verständnis dann sozial valide, wenn seine Ziele als wichtig wahrgenommen werden, die Methoden und Durchführungsart als sozial angemessen beurteilt werden und die Effekte für die Teilnehmer individuell als wichtig eingeschätzt werden. Die Akzeptanz eines Programms bezieht sich demnach auf das Ausmaß mit dem die Teilnehmer und Anwender schätzen, dass eine Prävention sinnvoll und kostengünstig ist, sowie zu angemessenen Erfolgen führt.
Forschungsdesign und Untersuchungsmethoden
Bisher konnten wir erfolgreich eine Studie in einem längsschnittlichen Design mit 3 Messzeitpunkten über einen Zeitraum von 1,5 Jahren mit einer Gruppe von ca. 120 Grundschulkindern in einem Versuchs-/Kontrollgruppendesign realisieren. Im Rahmen dieser Studie kamen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. So erlaubten uns zum Beispiel Fragebogenerhebungen bei Kindern, Lehrern und Eltern, die Ausprägung der sozialen Kompetenzen in Abhängigkeit der erlebten Nützlichkeit nach Abschluss des Faustlos-Programms im Übergang zur weiterführenden Schule zu betrachten. Darüber hinaus dienten Interviews mit den teilnehmenden Kindern und deren Lehrkräften dazu, uns ein umfassenderes Bild über Einschätzungen und Urteile der sozialen Validität von Faustlos zu erhalten. Einen hohen Stellenwert nahmen im Rahmen unserer Erhebungen elterliche Berichte über das Verhalten ihrer Kinder und kindliche Erfahrungen mit dem Präventionsprogramm "Faustlos" ein.
Meilensteine im laufenden Jahr
Planung der 2. Laufzeit des Projektes PaSS und Kontaktpflege/Kooperationen
Aufgrund des bisherigen Forschungsdesigns konnten keine Daten zur Effektivität von Faustlos gewonnen werden. Aktuell befindet sich das Projekt PaSS in der Planung einer weiteren längsschnittlichen Studie mit Grundschulkindern, in deren Kontext die Effektivität Präventionsangeboten mit subjektiven Einschätzungen der sozialen Validität verknüpft werden sollen.
Hierfür haben wir bereits Kontakt zu interessierten Grundschulen in Hessen aufgenommen, die eine wissenschaftliche Begleitung ihrer Präventionsangebote unterstützen. Ein wünschenswertes Ziel ist in dieser zweiten Laufzeit auch die Kooperation mit interessierten Wissenschaftlern, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten, um die Ergebnisse zu stärken.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Michael Fingerle, Dipl.-Psych.
Dr. Mandy Grumm, Dipl.-Psych.
