Projekt LeA
Das Projekt LeA
Das LeA (LearningAcceleration) Projekt beschäftigt sich mit dem Phänomen der Lesebeschleunigung, das erstmalig von der israelischen Forscherin Zvia Breznitz (1987) entdeckt wurde. Durch eine Beschleunigung der individuellen Lesegeschwindigkeit konnte gezeigt werden, dass Probanden insgesamt weniger Lesefehler machen und eine verbesserte Behaltensleistung aufweisen. Es ist angestrebt, durch das LeA Projekt das Beschleunigungsphänomen (acceleration phenomenon) auf den deutschen Sprachraum zu übertragen. Außerdem sollen weitere Untersuchungen zeigen, inwieweit das Phänomen auch in anderen kognitiven Bereichen (Mathematik) aufzufinden ist. Neben der Erfassung der Verhaltensdaten sollen zu einem späteren Zeitpunkt auch neurokognitive Korrelate mittels EEG-Untersuchungen erfasst werden und eine umfassende Untersuchung des Phänomens ermöglichen.
Hintergrund des LeA Projektes
In der gängigen Literatur zur Erforschung von Leseschwierigkeiten wird davon ausgegangen, dass phonologische Verarbeitungsdefizite und Defizite in der Benenn- bzw. Verarbeitungsgeschwindigkeit eine wichtige Rolle bei Schwierigkeiten im Leseprozess spielen. Breznitz hat in ihren Forschungsergebnissen zeigen können, dass eine künstliche Beschleunigung des Lesevorgangs für Leser mit unterschiedlich ausgeprägten Lesefähigkeiten (normale Leser und beeinträchtigte Leser) zu einer Verbesserung der Dekodierfähigkeit und des Leseverständnisses führen kann (acceleration phenomenon). Um eine künstliche Beschleunigung zu erzielen, wurde in einer Bedingung die individuelle Lesegeschwindigkeit ermittelt ("Self-Paced"-Bedingung) und in einer anschließenden Bedingung das computerbasiert präsentierte Sprachmaterial beschleunigt dargeboten ("Fast-Paced"-Bedingung). Die Verbesserung der Leistungen in der "Fast-Paced"-Bedingung war bei Probanden mit Leseschwierigkeiten besonders stark ausgeprägt. Auch in neurowissenschaftlichen Forschungsprojekten konnte das acceleration phenomenon aufgezeigt werden. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich Unterschiede der neuronalen Aktivierungsmuster zwischen normalen und dyslexischen Lesern sowohl auf zeitlicher als auch auf räumlicher Ebene erkennen lassen. Diese Unterschiede konnten durch eine Beschleunigungsintervention verringert werden.
Fragestellungen des LeA Projektes
In Bezug auf die vorgestellte theoretische Grundlage des acceleration phenomenons sollen im Projekt LeA folgende Fragestellungen untersucht werden:
- Ist das acceleration phenomenon sprachübergreifend aufzufinden und demnach auf die deutsche Sprache übertragbar?
- Ist die Beschleunigung auch in anderen kognitiven Bereichen wirksam (Mathematik)?
- Welche in der Literatur besprochenen Mechanismen stehen hinter dem acceleration phenomenon?
- Können eventuelle Unterschiede auch auf neuronaler Ebene wiedergefunden werden?
Untersuchungsaufbau des LeA Projektes
Die Beschleunigung wird im Sinne von Breznitz´ Forschungsdesigns operationalisiert und die Sätze in der "Fast-Paced"-Bedingung in gesteigertem Tempo präsentiert. Zusätzlich sollen die Probanden Aufgaben bearbeiten, die auf den Bereich des Rechnens angepasst eine Beschleunigung mathematischer Aufgaben erzeugen können. An die Aufgaben anschließende Fragen testen die Behaltensleistung der Kinder und geben Aufschluss über eine Leistungsverbesserung zwischen den Bedingungen. Das sprachliche und mathematische Material soll nach einer sorgfältigen Pilotierung in einer querschnittlichen Testphase mit Kindern der 3. Klassenstufe auf seine Wirksamkeit getestet werden.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
Dr. Sven Lindberg
Telse Nagler
Ansprechpartner
Dr. Sven Lindberg
Telse Nagler
Kontaktadresse