Projekt KoKo
Erschöpfung kognitiver Kontrolle bei ADHS
Im Rahmen des Projektes KoKo (Erschöpfung der kognitiven Kontrolle bei Kindern mit und ohne ADHS) untersuchen wir mentale Prozesse der kognitiven Kontrolle. Als "kognitive Kontrolle" bezeichnet man die Fähigkeit zur Handlungsüberwachung während der Ausführung einer Handlung. Prozesse der kognitiven Kontrolle sind z.B. beteiligt, wenn schwierige Denkaufgaben zu lösen sind: Man muss sich dann auf die Problemstellung konzentrieren, Teilaufgaben lösen, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen und die Ergebnisse der eigenen Bemühungen beständig überwachen und kontrollieren. Kognitive Kontrolle setzt sich aus mehreren Teilprozessen zusammen; auch wenn es keine allgemein anerkannte Definition gibt, so finden sich doch immer wieder die Prozesse der Planung und Zielüberwachung, des Aufrechterhaltens von zielgerichtetem Verhalten, des so genannten "Switching" zwischen verschiedenen Teilaufgaben, des fortwährenden "Updating", d.h. der Aktualisierung von Informationen im Arbeitsgedächtnis, und der Abschirmung gegenüber irrelevanten Reizen oder unangemessener Impulsen.
Erschöpfung der kognitiven Kontrolle
Kognitive Kontrollprozesse kosten Anstrengung und Kraft, genauso, wie es zum Beispiel nicht einfach ist, für eine Mathematikarbeit zu lernen, während die Freunde draußen Fußball spielen. Wie eine körperliche Anstrengung kann auch die "geistige" Anstrengung der kognitiven Kontrolle zur Ermüdung führen: Viele Untersuchungen haben bestätigt, dass sich die Leistung verschlechtert, wenn mehrere Aufgaben zur kognitiven Kontrolle hintereinander durchgeführt werden müssen. Beispielsweise zeigen Untersuchungen unserer eigenen Arbeitsgruppe, dass Personen ihren guten Vorsatz, auf eine angebotene Süßigkeit zu verzichten, dann leichter aufgaben, wenn sie zuvor aufgefordert wurden, ihren Emotionsausdruck zu kontrollieren (was mit geistiger Anstrengung verbunden ist).
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Kinder (und Erwachsene) mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) können ihre Aufmerksamkeit nicht so gut fokussieren, sind häufig impulsiv und oft auch körperlich unruhig. Kinder mit ADHS haben auch besondere Probleme, sich über längere Zeit hinweg auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Es ist bekannt, dass ADHS mit einer Beeinträchtigung der kognitiven Kontrolle einhergeht. In neueren Untersuchungen wurde eine große Variabilität der Lernleistungen von Kindern mit ADHS gezeigt: Häufig gelingt es den ADHS-Kindern nicht, ihr Leistungsniveau bei sich wiederholenden Aufgaben über eine längere Zeit hinweg aufrechtzuerhalten.
Ziele des Projektes und Fragestellungen
In unserem Forschungsprojekt wollen wir einen Teilaspekt der kognitiven Kontrolle untersuchen, nämlich die Prozesse der Hemmung (Inhibition) von vorschnellen Reaktionen. Besonders Kinder mit ADHS haben Schwierigkeiten mit diesen Prozessen; beispielsweise platzen sie manchmal mit der Antwort heraus, auch wenn sie im Unterricht gar nicht aufgerufen wurden. Ganz besonders interessiert uns, wie gut Kinder mit und ohne ADHS vorschnelle Reaktionen unterdrücken können, wenn man ihnen immer wieder ähnliche Aufgaben stellt. Wir möchten die Hemmung vorschneller Reaktionen vergleichend analysieren und vor allem untersuchen, wie schnell es im Aufgabenverlauf zur Erschöpfung der Fähigkeit zur Hemmung vorschneller Reaktionen kommt.
Forschungsdesign/ Untersuchungsmethoden
Die Untersuchung der Hemmung vorschneller Reaktionen erfolgt mit kindgerechten Computertests.
Zum Beispiel bekommen die Kinder am Computer ein Bild von einem Löwen und von einem Hund gezeigt. Immer wenn der Hund erscheint, sollen sie auf einen Knopf drücken, aber wenn der Löwe erscheint, dürfen sie das auf keinen Fall tun. Unsere Forschungsfragen sind einfach: Wie gut haben die Kinder ihre Reaktionen unter Kontrolle? Wie schnell können sie (richtig) reagieren? Wie gut können sie ihre (falschen, in der Situation unangemessenen) Reaktionen zurückhalten?
Wir suchen Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, und zwar Kinder mit ADHS, Kinder mit einer Lese-Rechtschreib- oder mit einer Rechenschwäche und "unauffällige" Kinder. Die Untersuchung wird mit jedem Kind einzeln durchgeführt und etwa 45-60 Minuten in Anspruch nehmen. Neben der oben beschriebenen Aufgabe sind vier weitere Tests zu bearbeiten, mit denen wir die Grundfähigkeiten der Kinder messen wollen. Unsere Testaufgaben machen den Kindern im Allgemeinen viel Spaß. Wenn ein Kind den Versuch dennoch vorzeitig abrechen möchte, ist dies jederzeit möglich. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt in anonymisierter Form. Aus den Daten können deshalb keine Rückschlüsse über einzelne Kinder gezogen werden. Die Ergebnisse der Studie werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Andreas Gold
Dr. Wolfgang Rauch
Kathrin Schmitt, Dipl.-Psych.
Marie Lauer-Schmaltz, Dipl.-Psych.
Kooperationspartner
Vitos Klinik Hofheim
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie
Riedstadt
Kontaktadresse