Projekt GIDeCa
Was ist das Projekt GIDeCA?
Das Projekt GIDeCA (Gene by Environment Interactions on Decision Making in Children with ADHD) untersucht biologische und familiäre Einflüsse auf die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub und auf riskantes Entscheidungsverhalten bei Kindern mit unterschiedlichen ADHS-Symptomatiken.
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Die wichtigsten Probleme von Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Dabei können zwei wesentliche Subtypen der Störung unterschieden werden: der primär unaufmerksame Typ ohne schwerwiegende Probleme mit Hyperaktivität und Impulsivität sowie der kombinierte Typ, der sich durch Auffälligkeiten in allen drei Symptombereichen auszeichnet. Im Projekt GIDeCA interessieren wir uns vor allem für Probleme im Bereich der Impulsivität.
Mangelnder Belohnungsaufschub und riskantes Entscheidungsverhalten als Zeichen von Impulsivität
Werden Kinder vor die Wahl gestellt, entweder eine kleine Belohnung sofort zu bekommen oder aber auf eine größere Belohnung zu warten, so entscheiden sich manche, impulsivere Kinder für die kleinere, sofort verfügbare Belohnung. Kinder mit einer größeren Fähigkeit zum Belohnungsaufschub warten hingegen. Riskantes Entscheidungsverhalten andererseits zeigt sich, wenn Kinder unabhängig von der Wartezeit eher Entscheidungen treffen, die mit geringer Wahrscheinlichkeit zu einem großen Erfolg führen als solche, die eine große Wahrscheinlichkeit für einen geringen Erfolg aufweisen.
Genetische und familiäre Einflüsse
Bestimmte Gene kommen in unterschiedlichen Varianten vor. So sind etwa zwei Drittel aller Menschen Träger einer Gen-Variante, die zu einer etwas geringeren Verfügbarkeit des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn führt. Verschiedene wissenschaftliche Arbeiten konnten bereits nachweisen, dass diese unterschiedlichen Genvarianten mit einer geringeren Fähigkeit zum Belohnungsaufschub zusammenhängen. Zudem konnte gezeigt werden, dass auch familiäre Faktoren, wie beispielsweise ein autoritärer Erziehungsstil, die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub beeinflussen.
Ziele und Fragestellungen des Projektes GIDeCA
Im Projekt GIDeCa wird vermutet, dass sowohl genetische als auch familiäre Faktoren mit der Fähigkeit zum Belohnungsaufschub und mit riskantem Entscheidungsverhalten zusammenhängen und dass die Effekte familiärer Risikofaktoren bei Trägern einer bestimmten genetischen Variante besonders stark ausgeprägt sind. Ferner interessiert uns, inwiefern sich Kinder mit unterschiedlichen ADHS-Symptomatiken (kombinierter ADHS-Subtyp bzw. primär unaufmerksamer ADHS-Subtyp) im Belohnungsaufschub und beim riskanten Entscheidungsverhalten unterscheiden.
Untersuchungsmethode
150 Kinder im Alter von 8-12 Jahren werden an der Untersuchung teilnehmen. Sie werden ausführlich von Psychologen und/oder Ärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie untersucht. Zudem wird sowohl den Kindern als auch ihren Eltern eine kleine Menge Blut für eine molekular-genetische Untersuchung abgenommen. Außerdem wollen wir Eltern und Kinder gemeinsam befragen. Die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub und das riskante Entscheidungsverhaltens werden in teilweise computerisierten, spielerischen Aufgaben erfasst, die den Kindern im Allgemeinen Spaß machen.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Christine Freitag
Prof. Dr. Caterina Gawrilow
Dr. Wolfgang Rauch
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Dr. Christina Schwenk
Tilman Reinelt, Dipl. Psych.
Andrea Wirth, Dipl. Psych.
Kooperationspartner
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Goethe-Universität Frankfurt/Main
