Projekt FLORI
Was ist das Projekt FLORI?
Das Projekt FLORI (Fluency Learning through Oral Reading Instruction) befasst sich mit der Förderung der Leseflüssigkeit bei Grundschulkindern mithilfe von Lautleseverfahren und mit der Evaluation dieser Förderung.
Flüssig liest, wer einen Text (still oder laut) weitgehend fehlerfrei, hinreichend automatisiert, angemessen schnell und sinnkonstruierend segmentiert (vor-)lesen kann. Das flüssige Lesen ist eine notwendige Voraussetzung für das Textverstehen. Verlaufen die basalen (hierarchieniedrigen) Dekodierprozesse nämlich nicht ausreichend präzise und automatisiert, werden die kognitiven Ressourcen, die eigentlich für hierarchiehöhere Verstehensprozesse beim Lesen benötigt werden, durch diese basalen Prozesse gebunden. Kognitionspsychologische Modelle des Textverstehens gehen davon aus, dass ein hoher Automatisierungsgrad der hierarchieniedrigen Prozesse – dazu gehören die sichere Wort- und Satzerkennung sowie die Herstellung lokaler Kohärenzen – die Qualität und die Effizienz der hierarchiehöheren, globale Kohärenzen stiftenden Prozesse, also das Textverstehen, entscheidend fördert (Richter & Christmann, 2002; Gold, 2009, 2010; Rosebrock & Nix, 2008). Für die Leseförderung bedeutet das, dass Maßnahmen, die direkt auf eine Verbesserung der hierarchieniedrigen Leseprozesse abzielen, auch positive Transfereffekte im Hinblick auf das Textverstehen erwarten lassen.
Ziele des Projektes
Das Projekt FLORI befasst sich mit der Förderung der Leseflüssigkeit bei Grundschulkindern und untersucht die Bedingungen der Wirksamkeit zweier Lautleseverfahren, die sich als Trainingsformen für flüssiges Lesen (Fluency) bereits bei leseschwachen Hauptschülern als effektiv erwiesen haben (Rosebrock, Rieckmann, Nix & Gold, 2010). So wird geprüft, ob es durch den Einsatz von Lautleseverfahren in der Grundschule gelingen kann, sich abzeichnenden Leseschwierigkeiten präventiv zu begegnen.
Im Projekt kommen zwei Lautleseverfahren im Unterricht zum Einsatz: eine Lautlese-Routine als eher lehrerzentrierter Ansatz und die Methode der Lautlese-Tandems als Variante des Peer-Assisted Learning. Überprüft werden soll, ob sich durch die Interventionen eine Verbesserung der Leseflüssigkeit und des Leseverstehens bewirken lässt. Außerdem soll durch den Vergleich beider Verfahren erkundet werden, ob sich grundsätzlich oder für bestimmte Schülerinnen und Schüler eine Überlegenheit des stärker durch die Lehrperson unterstützten Verfahrens oder des kooperativ ausgerichteten zeigt.
Forschungsdesign und Untersuchungsmethode
Kern des Forschungsvorhabens ist die Evaluation der pädagogischen Intervention zur Förderung der Leseflüssigkeit bei etwa 1000 Schülerinnen und Schülern dritter Grundschulklassen mittels eines Kontrollgruppendesigns. Die Lehrerinnen und Lehrer der teilnehmenden Klassen werden im Rahmen einer Forbildungsveranstaltung vorbereitet – die Durchführung des Trainings wird durch ausgearbeitete Unterrichtsmaterialien unterstützt. Neben den Klassen unter den beiden Förderbedingungen gibt es eine Reihe von Kontrollklassen, die ohne spezifische Förderung an den Erhebungen teilnehmen.
Bei beiden Lautleseverfahren findet das Training in allen teilnehmenden Klassen dreimal wöchentlich für die Dauer von jeweils 20 Minuten zwischen August 2010 und Januar 2011 im regulären Unterricht statt. Die Schülerinnen und Schüler der Treatmentklassen erhalten altersangemessene Texte als Trainingsmaterial.
Zur Evaluation werden diagnostische Tests und Fragebögen eingesetzt. Alle Schülerinnen und Schüler werden dreimal getestet (Prä, Post und Follow-up-Testung). Zur Gewährleistung der Implementationssicherheit werden regelmäßig Unterrichtsbeobachtungen durchgeführt.
Projektverantwortliche und Projektmitarbeiterinnen
Prof. Dr. Andreas Gold
Prof. Dr. Cornelia Rosebrock
Silke Behrendt
Kathrin Buckesfeld
Marie Lauer-Schmaltz
Marthe Simon
Kontaktadresse
flori@idea-frankfurt.eu
Das Projekt kooperiert mit dem Amt für Jugend, Schulen und Sport des Main-Taunus-Kreises.
