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Projekt ALF

Was ist das Projekt ALF?

Die individuelle Förderplanung von Kindern mit Lern- und Leistungsschwierigkeiten sowie allgemein erschwerten Lernvoraussetzungen ist ein wichtiger Aspekt des Alltags an Schulen und im Hessischen Schulgesetz fest verankert. Dabei stehen Lehrpersonen vor der Herausforderung, Kinder mit unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in ihren individuellen Entwicklungs- und Lernprozessen zu unterstützen und zu fördern. Dies sollte sowohl unterrichtsintegriert als auch in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Eltern erfolgen. Derzeit gibt es jedoch nur wenige aussagekräftige Untersuchungen zur individuellen Förderplanung in der Schulpraxis (vgl. Matthes, 2009, S. 122).
Die Statistischen Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz (KMK) unterstreichen den Stellenwert der individuellen Förderplanung:  Im Schuljahr 2008/09 wurden in Deutschland insgesamt 88.900 (1,0 %) Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in allgemeinen Schulen unterrichtet. Davon besuchten insgesamt 53.115 (59, %) die Grundschule. Der am häufigsten festgestellte Förderbedarf lag dabei im Bereich des Lernens (vgl. Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz).

Das Projekt ALF (Arbeiten mit Lern- und Förderplänen) befasst sich mit einem zentralen Ansatzpunkt der individuellen Förderplanung: dem Erstellen von und dem Arbeiten mit Lern- und Förderplänen. Individuelle Förderpläne werden als Planungs- und Reflexionsinstrument gesehen, dass für Schülerinnen und Schüler mit zusätzlichem Förderbedarf erstellt wird. In ihnen werden definierte Förderziele, überschaubare Fördermaßnahmen sowie die Durchführung der Fördermaßnahmen dokumentiert (vgl. Bundschuh, 2007; Eggert et al., 2007; Schuck et al., 2007; Mutzeck, 2000). Ansatzpunkte für die Förderung sind sowohl die Gestaltung schulischer als auch außerschulischer Lernumgebungen (vgl. Hertel et al., 2010, S. 89). Voraussetzung für die Wirksamkeit von Fördermaßnahmen stellen konkrete Absprachen, Abstimmungen über die Zielvorstellungen und Tätigkeitsanforderungen zwischen der Lehrperson und den Eltern dar (vgl. Jogschies, 2007, S. 116). Bezüglich der Zusammenarbeit mit den Eltern belegen aktuelle Studien jedoch, dass individuelle Förderpläne überwiegend von Lehrpersonen allein erstellt werden (vgl. Hauer & Feyerer, 2006; Hillenbrand, Hennemann & Pütz, 2006). Eine weitere Untersuchung zeigt, dass Eltern nur zum Teil über Förderkenntnisse verfügen und sie die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen als nur befriedigend angeben. Desweiteren fühlen sich die befragten Lehrpersonen für die Förderbereiche nicht vorbereitet (vgl. Jäger-Flor & Jäger, 2008).
Um eine frühe Intervention in der Entwicklung der Kinder zu ermöglichen, fokussieren die Untersuchungen zunächst auf den Grundschulbereich.

Ziele des Projektes

Das Projekt ALF leistet einen Beitrag dazu,
(1) die Förderpraxis an Schulen zu systematisieren und die Erstellung von Förderplänen im Schulalltag zu unterstützen,
(2) (angehende) Lehrpersonen durch Aus- und Fortbildungsmaßnahmen auf die Förderplanung und die Erstellung von Förderplänen vorzubereiten und Materialien für den Schulalltag zu entwickeln,
(3) die individuelle Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten und erschwerten Lernvoraussetzungen frühzeitig im Rahmen des Regelunterrichts zu implementieren und damit die Bildungschancen dieser Kinder zu verbessern (Inklusive Schule).

Forschungsdesign/ Untersuchungsmethoden

Das Projekt ALF erfolgt in drei Projektphasen:

Projektphasen ALF

Vorarbeiten & Kooperation

Die Studien in ALF schließen an umfangreiche Vorarbeiten zum Thema Elternberatung im Sekundarbereich von Prof. Dr. Silke Hertel an. Eine aktive Zusammenarbeit in IDeA erfolgt derzeit mit den Projekten elbe (Elternberatung an Grundschulen) und IGEL (Individuelle Förderung und adaptive Lerngelegenheiten in der Grundschule). Weitere Zusammenarbeit mit IDeA-Projekten, mit Projekten von Mitarbeiterinnen/ Mitarbeitern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung ist vorgesehen.

In bisherigen Vorarbeiten wurden Instrumente zur Beurteilung individueller Förderpläne, zur Arbeit mit Förderplänen zur Erfassung der Kompetenzentwicklung in Förderplanung entwickelt und empirisch erprobt. In einem multimethodalen Messansatz wurden dabei direkte und indirekte Erfassungsmethoden integriert und Methoden wie Paper-Pencil-Verfahren (Wissenstest, Selbsteinschätzung) und die Beurteilung von individuellen Förderplänen kombiniert. Zudem wurden erste Trainingskonzepte pilotiert. Diese umfangreichen Vorarbeiten sollen zu einer optimierten Version der Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrpersonen sowie zur Überarbeitung der Materialien für den Schulalltag führen. Diese sollen im Rahmen des hier beschriebenen Forschungsvorhabens zum Einsatz kommen.

Meilensteine im laufenden Jahr

Im Jahr 2011 werden in ALF  erste Förderplanungskompetenz-Trainingsprogramme für Lehrpersonen im Primarbereich erprobt. Zudem werden pädagogische Tage zum Thema individuelle Förderplanungen angeboten und es werden Expertenrunden zu diesem Thema durchgeführt.

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Silke Hertel
Sarah Merkel, Dipl. Päd.

Kontaktadresse

alf@idea-frankfurt.eu