Projekt WorlD
Was ist das Projekt WorlD?
Das Projekt WorlD untersucht die Frage, welche Bedeutung das Arbeitsgedächtnis für den Erwerb des Lesens, Schreibens und Rechnens bei Förderschülern im Alter von ca. 10 Jahren hat. Das Arbeitsgedächtnis ist für das kurzfristige Merken und gleichzeitige Verarbeiten von Informationen zuständig und wichtig für schulisches Lernen. Der Name des Projektes WorlD leitet sich vom englischen Projekttitel ab (Working memory and scholastic learning in children with intellectual disabilities).
Hintergrund des Projektes WorlD
Das Arbeitsgedächtnis hat die Funktion, Information aufzunehmen, zu verarbeiten und zu speichern. Es setzt sich aus einer übergeordneten Steuerungsinstanz und zwei Subsystemen zusammen, die zur Verarbeitung von verbaler bzw. räumlich-visueller Information zuständig sind. Die Fähigkeit zur parallelen Verarbeitung und Speicherung von Information durch das Arbeitsgedächtnis hat beim Erwerb der Kulturtechniken eine große Bedeutung. Beim Lesen eines Satzes müssen z. B. die Bedeutungen einzelner Wörter erkannt, zwischengespeichert und zur Gesamtbedeutung des Satzes zusammengefügt werden. Beim Rechnen müssen neben der Aufgabenstellung Zwischenergebnisse abgespeichert und die Zwischenergebnisse müssen zu einem Gesamtergebnis verrechnet werden.
Es ist bekannt, dass Kinder mit niedriger Intelligenz sich in Arbeitsgedächtnisaufgaben Dinge schlechter merken können als Gleichaltrige. Es ist jedoch noch nicht gut untersucht, welche Rolle das Arbeitsgedächtnis beim Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens von Förderschülern spielt.
Außerdem scheinen Kinder mit niedriger Intelligenz besondere Probleme bei verbalen Kurzzeitgedächtnisaufgaben zu haben, bei denen sie sich kurzfristig z.B. Wörter merken sollen. Wodurch die Probleme bei diesen Aufgaben verursacht werden, ist noch unklar.
Fragestellungen des Projektes WorlD
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt WorlD die folgenden Fragen:
- Wie fallen die Leistungen in verschiedenen Arbeitsgedächtnisbereichen von Förderschülern im Vergleich zu (jüngeren) sich typisch entwickelnden Kindern aus?
- Wie unterscheiden sich Prozesse im verbalen Kurzzeitgedächtnis von Förderschülern und jüngeren Kindern, die sich ähnlich viel merken können wie die Förderschüler? Nutzen Kinder mit niedriger Intelligenz das innere Wiederholen als Merkstrategie?
- In welchem Zusammenhang stehen verschiedene Arbeitsgedächtnisleistungen mit Vorläuferfertigkeiten für den Schriftspracherwerb (z.B. Reimen können) und den Erwerb des Rechnens (z.B. Wissen um Zahlen und Mengen) bei Förderschülern?
- Welche Bedeutung haben die verschiedenen Arbeitsgedächtnissysteme für das Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen bei Kindern mit niedriger Intelligenz?
Das Projekt WorlD untersucht das Arbeitsgedächtnis und dessen Bedeutung für den Schriftsprach- und Mathematikerwerb von Förderschülern. Die Erkenntnisse des Projektes sollen in die Entwicklung von Förderprogrammen zur Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses von Förderschülern eingesetzt werden bzw. dazu beitragen, Unterrichtsstrategien zur erfolgreichen Vermittlung des Lesens, Schreibens und Rechnens trotz schwachem Arbeitsgedächtnis zu entwickeln.
Untersuchungsmethoden
Am Anfang des Projektes sollten die teilnehmenden Kinder in Aufgaben zu Vorläuferfertigkeiten des Schriftspracherwerbs beispielsweise sich reimende Wörter erkennen oder Wörter mit dem gleichen Anfangsbuchstaben finden. Im Sommer 2010 haben die Kinder dann Lese-, oder Rechentests bearbeitet und ein Diktat geschrieben. Außerdem bearbeiteten sie an mehreren Messzeitpunkten verschiedene kindgerechte Arbeitsgedächtnisaufgaben am Computer. Sie sollten sich u.a. Wörter oder Bilder merken, sich daran erinnern, welches Wort welcher Clown gesagt hat oder Namen von Phantasiewesen nachsprechen. Neben diesen Aufgaben zum Merken von Wörtern und Kunstwörtern wurden auch räumlich-visuelle Gedächtnisaufgaben bearbeitet. Bei diesen geht es darum sich z.B. zu merken, an welchen Stellen und in welcher Reihenfolge Smilies auf dem Bildschirm auftauchen. In anderen Aufgaben wurden Verarbeitungsanforderungen und Merken kombiniert. Zum Beispiel haben die Kinder Bilder gezeigt bekommen und sollten entscheiden, ob man das Gezeigte essen kann (z.B. Apfel -> ja; Schlüssel -> nein). Im Anschluss an die Darbietung sollten sie sich an die Dinge erinnern.
Aus den Ergebnissen der Aufgaben lässt sich schließen, wie gut verschiedene Bereiche des Arbeitsgedächtnisses bei den Kindern funktionieren. Auch lassen sich Rückschlüsse auf die beim Merken verwendeten Gedächtnisprozesse ziehen.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Gerhard Büttner
Sebastian Poloczek, Dipl.-Psych.
