Projekt MILA
Was ist das Projekt MILA?
Gute Sprachfähigkeiten im Deutschen helfen dabei, am gesellschaftlichen Leben selbstbestimmt teilnehmen zu können. Deutschkenntnisse sind außerdem eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungsbiographie. Manche Kinder haben jedoch Probleme mit dem Erwerb der deutschen Sprache. Schwierigkeiten werden bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache, aber auch bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache berichtet. Im Projekt MILA (The Role of Migration Background and Language Impairment in Language Achievement) wird der Spracherwerb von Kindern, die Deutsch als erste und als zweite Sprache erwerben, über mehrere Jahre hinweg untersucht.
Hintergrund
Seit einigen Jahren ist die kindliche Sprachentwicklung stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Insbesondere bei Kindern, die Deutsch als Zweitsprache lernen, wird über mangelnde Sprachfähigkeiten berichtet. Viele Studien belegen, dass ein beachtlicher Teil der Kinder und Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse im deutschen Bildungssystem benachteiligt ist. Aber auch deutschsprachige Kinder weisen offenbar vermehrt Sprachdefizite auf.
Dabei wird häufig übersehen, dass viele Kinder mit Deutsch als Zweitsprache einen völlig unauffälligen Sprachentwicklungsverlauf zeigen. Das Lernen einer Zweitsprache an sich überfordert Kinder nämlich nicht – vorausgesetzt sie finden eine angemessene sprachliche Lernumgebung vor. Noch immer wissen wir jedoch zu wenig darüber, wie Kinder Deutsch als Zweitsprache überhaupt erwerben, in welchen Bereichen sie Förderung brauchen und in welchen Bereichen sie vielleicht aufgrund ihrer Erstsprache sogar Vorteile gegenüber einsprachigen Kindern haben. Ungeklärt ist auch, wie man Kinder mit vorübergehenden kleineren Schwierigkeiten beim Erwerb einer zweiten Sprache von solchen Kindern unterscheidet, die mit dem Spracherwerb generell Probleme haben. Das ist deswegen wichtig, weil beide Gruppen eine ganz andere Form der Unterstützung benötigen.
Daher untersuchen wir in unserem Projekt MILA den Spracherwerb bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache und mit Deutsch als Zweitsprache im Vergleich. Unser Ziel ist es, den ungestörten Zweitspracherwerb genauer zu verstehen und aus unseren Beobachtungen Rückschlüsse auf mögliche Störungen im Zweitspracherwerb zu ziehen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse könnten zukünftig Diagnostik- und Sprachfördermaterialien entwickelt werden, die es erlauben, gezielt auf den aktuellen sprachlichen Wissensstand des einzelnen Kindes einzugehen.
Ziele des Projektes und Fragestellungen
Obwohl das Forschungsinteresse am Zweitspracherwerb in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist, wissen wir noch viel zu wenig darüber, welche Erwerbsschritte für den frühen Zweitspracherwerb typisch sind. In der vergleichenden Untersuchung mit einsprachigen Kindern gehen wir davon aus, dass der frühe Erwerb einer Zweitsprache Kinder nicht überfordert. Erste Untersuchungen zeigen, dass frühe Zweitsprachlerner wichtige Erwerbsschritte sogar schneller durchlaufen als einsprachige Kinder. Bisher wurde jedoch anhand kleiner Fallstudien vor allem die Sprachverwendung untersucht. Im Gegensatz dazu ist die Entwicklung des Sprachverständnisses für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache bisher kaum Gegenstand der Forschung. Das ist insofern problematisch, als Sprachverstehen ein zentraler Bestandteil der menschlichen Sprachkompetenz ist und ein intaktes Sprachverständnis eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation darstellt.
Um die Erwerbswege von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache genauer erfassen zu können, ist deshalb eine detaillierte Untersuchung der einzelnen Entwicklungsschritte in den Bereichen Sprachverstehen und Sprachproduktion an einer größeren Stichprobe erforderlich. In unserem Projekt MILA vergleichen wir deshalb die Erwerbswege der frühen Zweitsprachlerner mit denen der einsprachig Deutsch lernenden Kinder anhand zweier Gruppen von je 60 Kindern. Die Erwerbsverläufe dieser zwei Probandengruppen werden mit den Erwerbsverläufen von Kindern, die eine Sprachentwicklungsverzögerung bzw. eine Sprachstörung aufweisen, verglichen.
Zusammengefasst verfolgen wir mit unserem Projekt die folgenden Ziele:
- Den unauffälligen Zweitspracherwerb detailliert zu beschreiben, v.a. im Hinblick auf die Entwicklung des Sprachverständnisses
- Den unauffälligen Zweitspracherwerb mit dem gestörten Erstspracherwerb zu vergleichen
- Erste Erkenntnisse über den gestörten und ungestörten Zweitspracherwerb zu gewinnen, um die Basis für linguistisch fundierte Diagnostik- und Förderkonzepte zu legen.
Untersuchungsmethoden
In unserer Studie begleiten wir Kinder mit Deutsch als Erst- und als Zweitsprache in ihrer sprachlichen Entwicklung vom Kindergartenalter bis in die Grundschule. Die erste Untersuchung beginnt, wenn die Kinder zwischen dreieinhalb und vier Jahren alt sind. Nachdem die Leitung der Betreuungseinrichtung und die Eltern der Teilnahme an MILA zugestimmt haben, besuchen wir die Kinder etwa zweimal jährlich und führen verschiedene Erhebungen durch. Dabei verwenden wir kindgerechte Untersuchungsverfahren, die einen spielerischen Charakter haben. Diese kombinieren wir so, dass eine möglichst genaue Auskunft über den Spracherwerb möglich ist. Dieses Studiendesign wurde von der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGP) positiv begutachtet.
Meilensteine im laufenden Jahr
Das Stadtschulamt Frankfurt, zahlreiche Betreuungseinrichtungen, viele sprachtherapeutische Einrichtungen sowie die vielen interessierten Eltern und pädagogischen Fachkräfte haben uns dabei unterstützt, unsere Stichprobe zusammenzustellen. Den Eltern sowie allen beteiligten Institutionen möchten wir hier deshalb ein herzliches Dankeschön aussprechen.
Im Frühjahr 2009 besuchten studentische Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter die Kitas und sprachtherapeutische Einrichtungen in Frankfurt, um die ersten Erhebungen durchzuführen. Mittlerweile läuft die dritte Erhebungswelle; sie wird im Mai 2010 abgeschlossen sein. Die Daten der ersten beiden Erhebungswellen sind zum großen Teil ausgewertet.
Um die Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Betreuungseinrichtungen zu verstärken und neue Formen des Wissenstransfers zwischen Forschung und Praxis zu vertiefen, fand im November 2009 für die teilnehmenden Einrichtungen ein Workshop zum Thema Spracherwerb und Mehrsprachigkeit statt. Für die Eltern der teilnehmenden Kinder veranstalteten wir im September 2009 einen Elternabend, an dem wir über den Stand der Untersuchung informierten und offene Fragen zu unserer Studie diskutierten. Mittwochs und freitags von 10-12 Uhr bieten wir unter 069-79832568 eine Sprechstunde an, in der sich die Eltern und Erziehenden der an der Studie MILA teilnehmenden Kinder telefonisch sowohl über die Studie informieren als auch zu Themen wie Sprachentwicklung, Mehrsprachigkeit oder Sprachförderung beraten lassen können.
Kooperationen im Forschungszentrum
Innerhalb des Forschungszentrums kooperieren wir mit dem Projekt erStMaL, das die Entwicklung mathematischer Denkprozesse untersucht. Ziel der Kooperation ist es, anhand einer gemeinsamen Probandengruppe Parallelen zur sprachlichen und mathematischen Entwicklung herzustellen.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Petra Schulz
Dr. Angela Grimm
Alexandra Ritter
Barbara Voet Cornelli
Studentische Mitarbeiter
aktive
Susanne Albus
Jennifer Bock
Aneta Gawendka
Seyda Gercek
Tabea Hombach
Stamatis Katsivardas
Corinna Koch
Friederike Kops
Carolin Reinert
Alessandro Riccitiello
Jacob Schmidkunz
Rebecca Schuler
Rabea Schwarze
Kypriani Sinaris
Natalia Süss
Canan Tengilimoglu
Zsuzsanna Vajda
Magdalena Wojtecka
Dilara Yüksel
ehemalige
Stefan Blohm
Gülcan Fahim
Rabab Flaga
Assunta Giordano
Tanja Rettinger
Artur Riedel
Vanessa Rupp
Seval Sezer
Majja Stanke
Barbara Voet Cornelli
Janine Weil
Danksagung
Unser besonderer Dank gilt den Kindern, die mit Freude und Neugier an MILA teilnehmen, sowie allen Eltern, die uns Ihre Kinder anvertrauen.
Darüber hinaus danken wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der folgenden Einrichtungen herzlich für die gute Zusammenarbeit:
- Frau Santifaller und Frau Sander von den Eigenbetrieben Städtische Kitas in Frankfurt am Main
- Frau Spanier vom Stadtschulamt Frankfurt
- den folgenden Städtischen Kindertagesstätten in Frankfurt am Main:
1, 25, 27, 38, 39, 40, 50, 57, 58, 59, 61, 63, 67, 71, 77, 83, 84, 88, 89, 91, 92, 94, 100, 101, 102, 107, 113, 114, 124, 125, 129, 138
Insbesondere danken wir der Leitung, den Eltern und den Kindern der Kita 1 für die Erlaubnis, Fotos von den Kindern zu machen.
- den folgenden Frankfurter Kindertagesstätten in konfessioneller und freier Trägerschaft:
kath. Kita St. Antonius Westend, kath. Kita St. Michael Carl Sonnenschein Str., Kita CV Alte Villa, kath. Kita St. Aposteln, kath. Kita CV Liebfrauen, kath. Kita Allerheiligen, kath. Kita St. Peter und Paul, kath. Kita All. Dreifaltigkeit, Kita des Internationalen Familienzentrums IFZ Rebstockpark, Kita des Internationalen Familienzentrums IFZ Ostend - der Weissfrauenschule, Frankfurt am Main
- der Erich-Kästner-Schule, Offenbach
- Herrn Dr. Neumann und Frau Dr. Müller vom Amt für Gesundheit der Stadt Frankfurt am Main, Abt. Kinder- und Jugendmedizin
- den folgenden Logopädischen Praxen in Frankfurt:
FISS - Frankfurter Institut für Stimm- und Sprachstörungen, Jutta Fuchs, Jalics und Warzecha, Ute Limbarth, Mack und Polzin, Karin Meier, Jutta Romijn, Anja Rossmann, Sandkamp-Nobbe und Chaoui - den folgenden Logopädischen Praxen in Offenbach:
Silvia Köhler, Anita Lotz - dem Sozialpädiatrischen Zentrum in Frankfurt-Höchst
- der Frühförderstelle in Frankfurt-Rödelheim
Kontaktadresse