Projekt Kosmos

Kosmos – ein Projekt zur Erforschung der kognitiven und sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern mit Lernstörungen

Lesen, Schreiben und Rechnen gehören zu den Grundkompetenzen, die jedes Kind im Laufe der Grundschulzeit erwerben sollte.
Es zeigt sich jedoch, dass es einigen Kinder starke Schwierigkeiten bereitet diese Fertigkeiten zu erlangen, obwohl sie allgemein über eine gute oder sogar überdurchschnittliche Lernfähigkeit verfügen. Das heißt, dass ihre Probleme eng begrenzt sind und sich nur auf die Bereiche des Lesens, Schreibens oder Rechnens beziehen. In diesen Bereichen allerdings bleiben die Leistungen dieser Kinder dauerhaft und sehr deutlich hinter ihren sonstigen Leistungen zurück.
Obwohl die Kinder oft sehr viel üben und bemüht darum sind, ihre Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und/ oder Rechnen zu verbessern, machen die Kinder häufig nur geringe Fortschritte. Man spricht in diesen Fällen von einer sogenannten "Teilleistungsstörung". Bei diesen Teilleistungsstörungen wird zwischen den Unterformen Lese-Rechtschreibstörung (auch Legasthenie genannt) und Rechenstörung (auch Dyskalkulie genannt) unterschieden.

Junge schreibendSowohl Lesen und Schreiben als auch Rechnen sind in der Schule in fast allen Fächern von großer Bedeutung. Daher werden die betroffenen Kinder im Schulalltag immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen ihre Leistungen weit hinter denen ihrer Mitschüler(innen) zurückbleiben. Viele Kinder schätzen ihre Leistungen daher als unzureichend ein und interpretieren sie als Misserfolge. Diese Erfahrungen können dazu führen, dass das Vertrauen in die persönlichen Stärken und Fähigkeiten abnimmt und die allgemeine Lust am Lernen immer geringer wird. Im ungünstigen Falle kann dies weitere negative Folgen nach sich ziehen, da sich die Leistungen der Kinder möglicherweise auch in solchen Bereichen verschlechtern, in denen eigentlich ihre persönlichen Stärken liegen. Auch die Beziehung zu Lehrer(inne)n und Eltern kann in Mitleidenschaft gezogen werden, etwa wenn die Unlust zu lernen als bloße "Faulheit" interpretiert wird. Damit dies nicht geschieht, möchten wir diese Mechanismen in unserem Projekt genauer untersuchen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen Ansätze abgeleitet werden um betroffene Kinder optimal fördern zu können.

Lese-Rechtschreibstörung (LRS)

Der Begriff Lese-Rechtschreibstörung steht zusammenfassend für vielfältige Schwierigkeiten, die beim Erlernen der Schriftsprache auftreten können. Manchen Kindern bereitet nur die Rechtschreibung Probleme, anderen Kindern nur das Lesen. Überwiegend treten Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten jedoch gemeinsam auf.

Hinweise auf eine Lese-Rechtschreibstörung sind beispielsweise häufiges und starkes Stocken beim Lesen und eine sehr niedrige Lesegeschwindigkeit. Darüber hinaus verlieren die betroffenen Kinder oft die Zeile im Text oder vertauschen Wörter. Auch lassen sie beim Lesen häufig Wörter im Text aus oder aber fügen Wörter hinzu, die im geschriebenen Text gar nicht vorhanden sind. Charakteristische Schwierigkeiten beim Schreiben sind eine hohe Fehlerzahl – sowohl bei ungeübten Diktaten als auch bei Texten, die abgeschrieben werden. Auffällig ist, dass das gleiche Wort in einem Text oft auf unterschiedliche Weise falsch geschrieben wird.

Insgesamt sind etwa 6 bis 8 % aller Schulkinder von einer Lese-Rechtschreibstörung betroffen. Aktuelle Forschungsbefunde deuten darauf hin, dass ca. doppelt so viele Jungen wie Mädchen unter einer LRS leiden.

Rechenstörung (Dyskalkulie)

Mädchen rechnendEtwa 5 bis 8 % aller Kinder haben eine sogenannte Rechenstörung. Anders als bei der LRS scheinen von dieser Störung Mädchen etwas häufiger betroffen zu sein.

Kinder mit einer Rechenstörung stellt der Umgang mit Zahlen vor große Probleme. Insbesondere das Erlernen grundlegender Rechenfertigkeiten (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division) fällt ihnen sehr schwer. Demgegenüber sind die Schwierigkeiten weniger bei höheren mathematischen Fertigkeiten erkennbar, die beispielweise für Algebra oder Geometrie benötigt werden.

Charakteristisch ist, dass Kinder, die von einer Rechenstörung betroffen sind, deutlich länger als ihre Mitschüler(innen) auf sogenannte 'Zählhilfen' (z.B. Finger und Stifte) angewiesen sind. Den betroffenen Kindern fehlt oftmals das Verständnis dafür, dass Zahlen stellvertretend für Mengen stehen. Das heißt, dass die Kinder zum Beispiel nicht verstehen, dass sich die Zahl "5"  aus weiteren Teilmengen, etwa "2 und 3" oder "1 und 4", zusammensetzt. Daher sind Zahlen für sie oftmals nur inhaltsleere Symbole.

Ziele des Projektes

Im Rahmen unseres Forschungsprojektes Kosmos begleiten wir über einen Zeitraum von etwa vier Jahren die individuelle Entwicklung von Kindern mit einer Lese-Rechtschreibstörung und/oder Rechenstörung sowie von Kindern, die diese Schwierigkeiten nicht zeigen. Wir setzen uns während dieser Zeit intensiv mit den persönlichen Stärken und Schwächen der Kinder auseinander. Unser Ziel ist, durch die Analyse der individuellen Entwicklungsverläufe der Kinder sowohl die Hintergründe als auch die Auswirkungen von Lernschwierigkeiten genauer zu verstehen.

Einige der Kernfragen unseres Forschungsprojekts lauten:

  • Wie entwickelt sich die Schulleistung der Kinder? Welche Stärken und Schwächen sind zu beobachten?
  • Wie werden mögliche Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und/ oder Rechnen von den betroffenen Kindern selbst wahrgenommen?
  • Welche Auswirkungen haben die Schwierigkeiten auf die Einstellung zur Schule und die Freude am Lernen?
  • Wie wirken sich die Schwierigkeiten auf die Gefühle und das Verhalten der Kinder aus?
  • Wie und warum unterscheiden sich die Kinder in Bereichen wie der Schulleistung, der Lernfreude und der Stimmung? 

Diese Erkenntnisse werden wir in einem nächsten Schritt in die Entwicklung neuer Förderprogramme einfließen lassen. Es sollen solche Programme geschaffen werden, die speziell auf die individuellen Besonderheiten und Bedürfnisse der einzelnen Kinder abgestimmt sind. Unser Ziel ist, dass von diesen neuen Förderprogrammen gerade diejenigen Kinder profitieren, die bisher nicht optimal gefördert werden können.

Untersuchungsmethoden

An unserem Forschungsprojekt nehmen sowohl Kinder teil, die unter einer Lese-Rechtschreibstörung und/ oder Rechenstörung leiden als auch Kinder, die keine Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen zeigen. Das Projekt Kosmos ist auf mehrere Jahre angelegt. Während dieser Zeit begleiten wir die individuellen Entwicklungen der teilnehmenden Kinder. Dazu gehört es, regelmäßig die aktuellen Lese-, Rechtschreib- und Rechenfertigkeiten der Kinder ausführlich abzuklären. Zusätzlich interessieren uns die Einstellung der Kinder zur Schule, ihre Lernfreude, ihre Stimmungen und ihr Verhalten. Dabei ist uns auch die Einschätzung der Eltern und Lehrer(innen) sehr wichtig. Daher werden wir die wichtigsten Bezugspersonen der Kinder bitten, uns von Ihren Beobachtungen und Erfahrungen zu berichten.

Alle Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Sämtliche Informationen über die teilnehmenden Familien werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nicht an Außenstehende weitergegeben. Auf Wunsch bieten wir den Eltern der teilnehmenden Kinder nach jeder Untersuchung eine umfassende Rückmeldung über die Entwicklung des Kindes an. Darüber hinaus stellen wir bei Interesse gerne Kontakte zu qualifizierten Beratungseinrichtungen her. Auch stehen wir den Familien sowie den Lehrer(innen) der teilnehmenden Kinder jederzeit gerne für Fragen zur Verfügung.

Meilensteine im laufenden Jahr

Von August bis Dezember 2008 haben wir an zahlreichen Schulen in Frankfurt und Umgebung die Leistungen von Kindern der dritten Klasse in den Bereichen Lesen, Schreiben und Mathematik untersucht. 

Anhand der Ergebnisse dieser groß angelegten Untersuchung konnten wir Gruppen von Kindern identifizieren, welche die Kriterien für eine Lernstörung erfüllten. Seit dem Sommer 2009 haben wir begonnen, die Entwicklung der Kinder zu begleiten. In halbjährlichen Abständen sollen weitere Untersuchungen stattfinden.

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
Prof. Dr. Gerhard Büttner
Dr. Andju Sara Labuhn

Ansprechperson

Dr. Andju Sara Labuhn

Mitarbeiterinnen

Anne Fischbach, Dipl. Psych.
Chantal Rietz, Dipl. Psych.
Johanna Maria Schmid, Dipl. Psych.

Kooperationspartner

Sozialpsychiatrisches Zentrum für Kinder und Jugendliche,
Dr. med. Fabian Härtling
Wolfsgangstr. 68, 60322 Frankfurt am Main

Kontaktadresse

Dr. Andju Sara Labuhn
Mertonstr. 17
60325 Frankfurt

Tel. +49 (0)69 798-23513 
kosmos@idea-frankfurt.eu

 


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