Projekt KoKo

Erschöpfung kognitiver Kontrolle bei ADHS

Manchen Kindern fällt es sehr schwer, mit ihrer Antwort im Unterricht nicht herauszuplatzen, sondern zu warten, bis sie aufgerufen wurden. Andere wiederum schauen nicht genau nach, ob sie vielleicht einen Fehler gemacht haben, sondern gehen gleich zur nächsten Aufgabe weiter. Im Rahmen unseres Projektes KoKo (Erschöpfung der kognitiven Kontrolle bei Kindern mit und ohne ADHS) untersuchen wir solche Schwierigkeiten; man nennt die zugrundeliegenden Fähigkeiten auch "Prozesse der kognitiven Kontrolle". Prozesse der kognitiven Kontrolle sind z.B. beteiligt, wenn schwierige Denkaufgaben zu lösen sind: Man muss sich dann auf die Problemstellung konzentrieren, Teilaufgaben lösen, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen und die Ergebnisse der eigenen Bemühungen beständig überwachen und kontrollieren.

Kognitive Kontrolle: Beispiel

Eine einfache Denkaufgabe, die kognitive Kontrolle erfordert, ist das Spiel Turm von Hanoi.

Turm von Hanoi

Urheber des Bildes ist Evanherk

Die Spielaufgabe besteht darin, auf drei oder mehr hölzerne Stäbe gelochte Holzscheiben unterschiedlichen Durchmessers in einer bestimmten Anordnung aufzulegen. Zu Beginn liegen alle Scheiben der Größe nach geordnet auf einem der Stäbe (A), also mit der größten Scheibe ganz unten und der kleinsten oben. Die Aufgabe des Spielers ist nun, den kompletten Scheiben-Stapel von Stab A nach Stab C zu versetzen. Bei jedem Zug darf die oberste Scheibe eines beliebigen Stabes auf einen der beiden anderen Stäbe gelegt werden, vorausgesetzt, dort liegt nicht schon eine kleinere Scheibe.
Um die Aufgabe lösen zu können, sollte man nicht einfach drauflos arbeiten, sondern die Handlungsschritte planen. Das setzt so genannte inhibitorische Fähigkeiten ("Hemmung") voraus, die von vorschnellem Handeln abhalten, aber auch Fähigkeiten der Überwachung und Bewertung des eigenen Handelns. Beide Fähigkeiten, die Hemmung vorschneller Reaktionen und die Überwachung und Bewertung des eigenen Handelns, lassen sich als kognitive Kontrollprozesse zusammenfassen.

Erschöpfung der kognitiven Kontrolle

Kognitive Kontrollprozesse wie die Hemmung vorschneller Reaktionen oder die Überwachung und Bewertung des eigenen Handelns kosten Anstrengung und Kraft, genauso, wie es zum Beispiel nicht einfach ist, für eine Mathematikarbeit zu lernen, während die Freunde draußen Fußball spielen. Wie eine körperliche Anstrengung kann auch die "geistige" Anstrengung der kognitiven Kontrolle zur Ermüdung führen: Viele Untersuchungen haben bestätigt, dass sich die Leistung verschlechtert, wenn mehrere Aufgaben zur kognitiven Kontrolle hintereinander durchgeführt werden müssen. Beispielsweise zeigen Untersuchungen unserer eigenen Arbeitsgruppe, dass Personen ihren guten Vorsatz, auf eine angebotene Süßigkeit zu verzichten, dann leichter aufgaben, wenn sie zuvor aufgefordert wurden, Lachen, Ärger oder Trauer zu unterdrücken (was mit geistiger Anstrengung verbunden ist).

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Kinder (und Erwachsene) mit einer so genannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) können ihre Aufmerksamkeit nicht so gut fokussieren, sind häufig impulsiv und oft auch körperlich unruhig. Kinder mit ADHS haben auch besondere Probleme, sich über längere Zeit hinweg auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Deshalb geht man davon aus, dass ADHS mit einer Beeinträchtigung der kognitiven Kontrolle einhergeht.

Ziele des Projektes

In unserem Forschungsprojekt wollen wir einen Teilaspekt der kognitiven Kontrolle untersuchen, nämlich die Prozesse der Hemmung (Inhibition) von vorschnellen Reaktionen. Besonders Kinder mit ADHS haben Schwierigkeiten mit diesen Prozessen; beispielsweise platzen sie manchmal mit der Antwort heraus, auch wenn sie im Unterricht gar nicht aufgerufen wurden. Ganz besonders interessiert uns, wie gut Kinder mit und ohne ADHS vorschnelle Reaktionen unterdrücken können, wenn man ihnen immer wieder ähnliche Aufgaben stellt. Wir möchten die Hemmung vorschneller Reaktionen vergleichend analysieren und vor allem untersuchen, wie schnell es im Aufgabenverlauf zur Erschöpfung der Fähigkeit zur Hemmung vorschneller Reaktionen kommt.

Untersuchungsmethoden

Die Untersuchung der Hemmung vorschneller Reaktionen erfolgt mit kindgerechten Computertests.

Hund Löwe  

Zum Beispiel bekommen die Kinder am Computer ein Bild von einem Löwen und von einem Hund gezeigt. Immer wenn der Hund erscheint, sollen sie auf einen Knopf drücken, aber wenn der Löwe erscheint, dürfen sie das auf keinen Fall tun. Unsere Forschungsfragen sind einfach: Wie gut haben die Kinder ihre Reaktionen unter Kontrolle? Wie schnell können sie (richtig) reagieren? Wie gut können sie ihre (falschen, in der Situation unangemessenen) Reaktionen zurückhalten?

Wir suchen Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, und zwar Kinder mit ADHS, Kinder mit einer Lese-Rechtschreib- oder mit einer Rechenschwäche und "unauffällige" Kinder. Die Untersuchung wird mit jedem Kind einzeln durchgeführt und etwa 45-60 Minuten in Anspruch nehmen. Neben der oben beschriebenen Aufgabe sind vier weitere Tests zu bearbeiten, mit denen wir die Grundfähigkeiten der Kinder messen wollen. Unsere Testaufgaben machen den Kindern im Allgemeinen viel Spaß. Wenn ein Kind den Versuch dennoch vorzeitig abrechen möchte, ist dies jederzeit möglich. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt in anonymisierter Form. Aus den Daten können deshalb keine Rückschlüsse über einzelne Kinder gezogen werden. Die Ergebnisse der Studie werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet.

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Andreas Gold
Dr. Wolfgang Rauch
Kathrin Schmitt, Dipl.-Psych.
Marie Lauer-Schmaltz, Dipl.-Psych.

Kooperationspartner

Vitos Klinik Hofheim
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie
Riedstadt

Kontaktadresse

koko@idea-frankfurt.eu

 


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