Projekt Individuell angemessene Lernumgebungen

Individuell angemessene Lernumgebungen entwickeln und erforschen

Um Kinder in ihrer Entwicklung individuell zu fördern, ist es notwendig, auf ihre Voraussetzungen und Bedürfnisse individuell und angemessen einzugehen. Projekte des Programmbereichs "Individuell angemessene Lernumgebungen" erforschen, wie sich Lernumgebungen gestalten und strukturieren lassen, um die Entwicklung der Kinder individuell zu unterstützen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei – entsprechend den Zielsetzungen von IDeA – auf Kindern mit Lernschwierigkeiten im Bereich Lesen und Schreiben oder Rechnen sowie mit Verhaltensproblemen oder emotionalen Auffälligkeiten. Projekte aus diesem Programmbereich finden teils in Zusammenarbeit mit Projekten des Programmbereichs "Professionalisierung von Lehrkräften" statt. Eine enge Kooperation besteht zum Projekt Elternberatung an Grundschulen (elbe)

Individuell angemessene Lernumgebungen

Schulischer Unterricht findet in Schülergruppen statt. Für eine individuelle Förderung der Kinder ist es dabei wichtig, individuell und angemessen auf ihre Bedürfnisse und Voraussetzungen einzugehen. In der Schul- und Unterrichtsforschung spricht man hierbei von adaptivem Unterricht. Der Unterricht und seine Rahmenbedingungen (bspw. Verhalten der Lehrkräfte, Klassenzusammensetzung) stellen eine bestimmte Lernumgebung für das Kind dar. In adaptiven Lernumgebungen werden Freiräume für eigenständiges Lernen gegeben und dabei die unterschiedlichen Lerntypen und -strategien der Kinder berücksichtigt. Der Lernstoff darf weder über- noch unterfordern und bei Bedarf soll gezielte Unterstützung angeboten werden.

Ziele individuell angemessener Lernumgebungen

Lachende Kinder im KlassenraumMit individuell angemessenen bzw. adaptiven Lernumgebungen sollen Kinder in ihrer Entwicklung in Abhängigkeit von ihren Voraussetzungen und Bedürfnissen bestmöglich unterstützt werden. Hierbei werden jedoch keineswegs stark unterschiedliche Leistungsverläufe angestrebt. Vielmehr sollen möglichst alle Kinder "in ein Boot geholt werden". Eine Schulklasse als Ganzes soll ein bestimmtes Lernziel erreichen. Das Ausmaß der unterschiedlichen Leistungsstände in den Klassen soll verringert werden. Insbesondere sollen Kinder mit Lernschwierigkeiten im Bereich Lesen und Schreiben oder Rechnen sowie mit Verhaltensproblemen oder emotionalen Auffälligkeiten unterstützt werden.
Das Forschungsinteresse richtet sich sowohl auf die Entwicklung schulischer Leistungen der Kinder als auch auf ihr Erleben und Verhalten. So ist bislang wenig darüber bekannt, wie Kinder eine individuelle Förderung wahrnehmen und auf sie reagieren. Adaptive Lernumgebungen sollten bspw. nicht als "Sonderbehandlung" angesehen werden, sondern müssen vielmehr eine Integration in die Klassengemeinschaft und ein positives Klassenklima gewährleisten.

Gestaltung und Strukturierung individuell angemessener Lernumgebungen durch Lehrkräfte

Die Gestaltung und Strukturierung adaptiver Lernumgebungen stellt besondere Anforderungen an Lehrkräfte. Diese müssen für eine bestmögliche Förderung der Kinder deren Voraussetzungen und Bedürfnisse erkennen, sie in ihrem eigenständigen Lernen begleiten und individuell angemessene Maßnahmen und Methoden einsetzen und anbieten. Der Erfolg dieser Maßnahmen und Methoden ist dabei eng mit Merkmalen von Unterrichtsqualität verbunden. Diese zu vermitteln und umzusetzen wird als wichtige Aufgabe in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften angesehen.

Rahmenbedingungen individuell angemessener Lernumgebungen

SchultafelDie Möglichkeiten zur Gestaltung und Strukturierung adaptiver Lernumgebungen müssen in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen im Schulalltag betrachtet werden. So ist bspw. im Curriculum (Lehrplan) ein bestimmter Inhalt und Umfang an Unterrichtsstoff festgelegt. Ebenso berichten Lehrkräfte, dass eine hohe Anzahl an Kindern in einer Klasse sowie stark unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Bedürfnisse besondere Herausforderungen bei der individuellen Förderung darstellen. Hinzu kommen Aspekte der Schulorganisation: Handlungsspielräume und Motivation der Lehrkräfte zur Gestaltung und Strukturierung adaptiver Lernumgebungen hängen davon ab, welche Ressourcen (Zeit, Raum, Förderangebote) die Schule zur Verfügung stellt und welchen Stellenwert sie einer individuellen Förderung beimisst.

Untersuchungsmethoden

In den Projekten des gleichnamigen Programmbereichs "Individuell angemessene Lernumgebungen" und im Projekt "Elternberatung an Grundschulen (elbe)" werden zunächst Lehrkräfte als Experten für das Lernen und die Gestaltung von Lernumgebungen sowie die Beratung von Eltern angesprochen. Ziel ist es, mehr über die Einstellungen, Ziele und Handlungsmuster der Lehrkräfte in diesen Bereichen zu erfahren. Zusätzlich werden Strukturen an der Schule sowie Grenzen und Barrieren in der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler aus der Perspektive der Lehrkräfte erfasst. Ergänzend zu den Befragungen der Lehrkräfte wird die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler in ihren schulischen Leistungen sowie in ihrem Erleben und Verhalten im Unterricht betrachtet.

Als Ergebnis der Studien sollen praxisnahe und nützliche Ansätze für die Gestaltung von individuell angemessenen Lernumgebungen, Empfehlungen für Schulentwicklungsmaßnahmen sowie zur Elternberatung entwickelt werden, z.B. Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrpersonen sowie Empfehlungen für Schulentwicklungsmaßnahmen.  

Diese Entwicklungsaufgaben werden in Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Referendarinnen und Referendaren sowie Lehramtsstudierenden – also Experten in diesem Bereich in unterschiedlichen Phasen der professionellen Qualifikation – und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Erziehungswissenschaften, der Psychologie und der Fachdidaktik bearbeitet.
Weitere Zusammenarbeit mit IDeA-Projekten, mit Projekten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung sowie mit internationalen Kooperationspartnerinnen und -partnern ist vorgesehen.

Meilensteine im laufenden Jahr

Mit Beginn des Jahres 2010 starten auch die Programmbereiche "Individuell angemessene Lernumgebungen" und "Professionalisierung von Erziehenden" im Forschungszentrum IDeA. Um diese vorzubereiten, wurden in diesem Projekt erste Lehrerbefragungen durchgeführt, deren Ergebnisse für die Ausgestaltung der startenden Projekte herangezogen werden. Bisherige und zukünftige Schwerpunkte des Projekts sind in der folgenden Grafik veranschaulicht.

Individuell_angemessene_lernumgebungen_Grafik

 

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Eckhard Klieme
Dr. Jasmin Warwas

Kontaktadresse

warwas@dipf.de

 


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