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Projekt IGEL

Was ist das Projekt IGEL?

Das Projekt IGEL befasst sich mit den Themen individuelle Förderung und adaptive Lern-Gelegenheiten in der Grundschule. Für jede Schule besteht die Herausforderung, unterschiedlich leistungsstarke Kinder in großen Schulklassen individuell zu fördern. Wenn Kinder angemessen unterstützt werden, können schulische Entwicklungsverläufe positiver ausfallen und eine erfolgreiche Teilhabe am schulischen Verlauf sichergestellt werden. Dieses hat zentrale Bedeutung bei Kindern mit besonderem Förderbedarf, wie bei sprachlichen Schwierigkeiten. Im Rahmen des IGEL Projektes erforscht ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen, wie Lehrpersonen ihren Unterricht und Lernumgebungen in der Grundschule gestalten und strukturieren können, damit Kinder in ihren individuellen Lernprozessen unterstützt und gleichzeitig Unterrichtsziele erreicht werden. Wie können solche individuell angemessenen (adaptiven) Lernumgebungen aussehen? Hierbei spielt die Kooperation mit Lehrpersonen eine entscheidende Rolle.

Ziele des Projektes IGEL und Fragestellungen

Im Projekt IGEL werden Lehrpersonen in individuellen Fördermethoden im Unterricht fortgebildet und die Wirksamkeit der Fortbildungen sowohl bei den Lehrpersonen als auch bei den Schülerinnen und Schülern geprüft. Dabei interessieren wir uns insbesondere für folgende Fragen:

  • Lassen sich in den Fortbildungen zu adaptiven Unterrichtsmethoden das entsprechende Handlungs- und Professionswissen sowie auch Einstellungen zu den Methoden vermitteln?
  • Welche Unterrichtsmethoden sind für Kinder besonders effektiv, insbesondere für Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen?

Was verstehen wir unter 'Adaptive Lernumgebungen'?

In Schule und Unterricht ist es wichtig, individuelle Lernvoraussetzungen zu erkennen und eine gezielte darauf aufbauende Förderung einzusetzen. Ebenso müssen schulische Lernziele erreicht werden. Schulklassen, in denen dies gelingt, bilden sogenannte "adaptive (bzw. individuell angemessene) Lernumgebungen". Trotz wesentlicher Fortschritte der Unterrichtsforschung in den vergangenen Jahren besteht weiterhin Forschungsbedarf dazu, wie Unterricht gestaltet und strukturiert werden kann, damit alle Kinder – insbesondere solche mit besonderem Förderbedarf – erfolgreich lernen.

Als Unterrichtsinhalt wurde der Sachunterricht an Grundschulen gewählt, da insbesondere in diesen Fächern Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen (z.B. aufgrund von Sprachschwierigkeiten) gezielt gefördert werden können. Zudem zeigen aktuelle Studien im Grundschulbereich, dass migrationsbedingte Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften wesentlich größer ausfallen als in den Bereichen Mathematik und Lesen.

Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung zur individuellen Förderung von Kindern

Um Kinder individuell zu fördern, gestalten und strukturieren Lehrpersonen ihren Unterricht auf ganz unterschiedlicher Weise. Sie können geeignete sprachliche Hinweise (Scaffolds) zur sogenannten "kognitiven Strukturierung" geben, um die Aufmerksamkeit der Kinder auf wesentliche Lerninhalte zu lenken (und dazu bspw. auch Visualisierungen einsetzen). Sie können Lernpartnerschaften (Peer Learning) bilden, in denen sich die Kinder nach bestimmten "Spielregeln" untereinander unterrichten. Kinder setzen sich dabei mit ihren Kompetenzen und Lernständen auseinander und üben Argumentation und Erklären. Eine andere Fördermethode ist es, wenn Lehrpersonen individuelle Lernstände kontinuierlich erfassen und rückmelden (formatives Assessment). Ziel ist es, die Kinder über ihren Lernstand zu informieren, ggf. vorhandene Lücken aufzudecken und sie im Erreichen ihrer Lernziele zu unterstützen.

Vorgehen

Um die zentralen Fragen des Projektes IGEL zu erforschen, arbeiten wir sehr eng mit den Lehrpersonen zusammen. Lehrpersonen erhalten eine Fortbildung in einer Methode zur individuellen Förderung von Kindern im Unterricht. Anschließend ist vorgesehen, dass sie diese verschiedenen Methoden der adaptiven Unterrichtsgestaltung in ihrem regulären Unterricht im Klassenkontext anwenden. Um die Wirksamkeit der Lehrerfortbildung und des adaptiven Unterrichts zu erfassen, führen wir an mehreren Zeitpunkten Befragungen von Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern durch. In manchen Unterrichtsstunden werden wir auch Videoaufzeichnungen vornehmen, um das Geschehen im Unterricht genauer beobachten und weitere Hinweise zur Förderung von Kindern erhalten zu können.

Meilensteine im laufenden Jahr

Das Projekt ist im Januar 2010 mit einer detaillierten Konzeption sowie einem Kooperationsaufbau zu hessischen Grundschulen für eine Teilnahme am Projekt gestartet. In den ersten neun Monaten stand die Vorbereitung unserer Studien im Mittelpunkt, d.h. die Entwicklung von Aufgabenmaterial und Lehrerfortbildungen, die Erprobung erster Elemente sowie die Überarbeitung einzelner Aspekte des Materials und der Fortbildungen. Mit Beginn des Schuljahrs 2010/2011 haben wir Befragungen zur Lernausganglage der Schülerinnen und Schüler durchgeführt. Ab November 2010 starten die Fortbildungen für die teilnehmenden Lehrpersonen.

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Ilonca Hardy
Prof. Dr. Eckhard Klieme
Dr. Jasmin Warwas
Prof. Dr. Gerhard Büttner
Prof. Dr. Silke Hertel
Prof. Dr. Mareike Kunter
Prof. Dr. Arnim Lühken

Ansprechperson

Martin Heußner, Dipl. Päd. (Koordination)

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Katja Adl-Amini, Förderschullehrerin
Anna-Theresia Bömer, Dipl.-Psych.
Sanna-Kristina Djaković, Dipl. Psych.
Benjamin C. Fauth, Dipl. Psych., M.A.
Lena Hondrich, Dipl. Psych.
Susanne Mannel, Didaktik der Chemie
Alexander Naumann, M.A.
Svenja Rieser, M.A.

Kontaktadresse

igel@idea-frankfurt.eu