Projekt FLUX
Was ist das Projekt FLUX
Das Projekt FLUX (Assessment of Cognitive Performance FLUctuations in the School ConteXt) untersucht Schwankungen bei Denkleistungen wie dem Gedächtnis im Schulalltag. Wir interessieren uns dabei besonders für die Ursachen und Folgen von Schwankungen der Denkleistung für Schulleistungen. Denkleistungen stellen eine wesentliche Grundlage für Lernen und schulische Leistungen dar. Besonders das so genannte Arbeitsgedächtnis hat sich als wesentlicher Einflussfaktor von Intelligenz und Schulleistungen erwiesen. Das Arbeitsgedächtnis ist zuständig für das gleichzeitige Speichern und Verarbeiten von Informationen. In jüngerer Zeit haben Studien der Entwicklungspsychologie gezeigt, dass Denkleistungen, die auf dem Arbeitsgedächtnis beruhen, starke Schwankungen aufweisen. Leistungsschwankungen bei Kindern sind Lehrern und Eltern gut bekannt. Oft sprechen sie davon, dass ein Kind einen schlechten Tag gehabt hat, wenn z.B. ein Test schlecht ausgefallen ist. Es scheint also weitgehend akzeptiert, dass Kinder gute und schlechte Tage in Bezug auf ihre Denkleistung haben. An schlechten Tagen haben Kinder oft Schwierigkeiten, aufmerksam zu sein und Schulaufgaben oder Tests zu bearbeiten. Jedoch haben bisher nur wenige Studien systematisch Schwankungen bei Denkleistungen von Kindern sowie deren Beziehung zu Schulleistungen untersucht. Darüber hinaus gibt es wenige Studien, die den Einfluss möglicher Ursachen (z.B. Stimmungen, Motivation, Schlaf, Ernährung) auf Schwankungen der Denkleistung untersucht haben.
Ziele des Projektes FLUX
Ziel des Projektes FLUX ist es, tagtägliche Schwankungen bei Denkleistungen im Schulkontext über einen längeren Zeitraum zu erfassen. Auch soll die Bedeutung von Schwankungen der Denkleistung für Intelligenz und Schulleistung untersucht werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Erfassung von Schwankungen der Denkleistung jedes einzelnen Kindes im jeweiligen Schulkontext. Dadurch können im Gegensatz zu Laboruntersuchungen die Fähigkeiten und das Erleben von Kindern in der natürlichen Umgebung untersucht werden. Darüber hinaus ermöglicht die intensive tägliche Erhebung über einen längeren Zeitraum die Untersuchung der Entwicklungsverläufe einzelner Kinder. Dadurch wird es mittelfristig möglich, für jedes Kind Rückmeldung über Schwankungen der Denkleistung zu geben und die Einflüsse zu identifizieren, die sich positiv oder negativ auf die Schulleistung auswirken.
Untersuchungsmethoden
Im Projekt FLUX sollen etwa 120 Kinder im dritten und vierten Schuljahr über 4 Wochen mehrmals täglich Aufgaben zur Erfassung der Denkleistung durchführen, sowie kurze Fragen über ihre Stimmung und andere relevante Einflussfaktoren wie z.B. Schlafverhalten beantworten. Darüber hinaus sollen in Vor- und Nach-Erhebungen Schulleistung, Intelligenz und Hintergrund-Variablen erfasst werden. Zur Erfassung der tagtäglichen Schwankungen werden Mobiltelefone eingesetzt, die die Kinder zu bestimmten Zeiten auffordern, Aufgaben zu lösen und daran anschließend Auskunft über ihr jeweiliges Befinden zu geben. Sie dienen der wiederholten Erfassung von Denkleistungen und des tagtäglichen Erlebens in der natürlichen Umgebung eines Kindes. Diese Art der Erhebung hat viele Vorteile. Unter anderem kann mit Hilfe von Mobiltelefonen sehr flexibel und sehr oft Leistungsfähigkeit erfasst werden, ohne stark in den Alltag des Kindes einzugreifen. Das erlaubt es, ein umfassendes Bild möglicher Schwankungen der Denkleistung einzelner Kinder zu bekommen. Darüber hinaus können Fähigkeiten in der Situation erfasst werden, in der sie gebraucht werden, z.B. in der Schule. Weiterhin können situative Einflüsse und andere zeitlich schwankende Einflüsse auf Leistungsfähigkeit zeitnah mit erfasst werden. Nicht zuletzt erlauben es Mobiltelefone, Antworten und Reaktionszeiten aufzuzeichnen, was für viele Aufgabentypen im Bereich der Denkleistung unerlässlich ist. Andere Studien, die mithilfe dieser Technologie durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass es Kindern sehr viel Spaß macht, Aufgaben auf diese Art zu lösen und Fragen zu beantworten.
Meilensteine im kommenden Jahr
Das Projekt FLUX startete im Oktober 2010 und befindet sich in einer Vorbereitungsphase. Aktuell werden Aufgaben entwickelt, die mittels Mobiltelefon eingesetzt werden können. Eine erste Studie zur Erprobung der Aufgaben und der Mobiltelefon-Technologie ist für 2011 geplant.
Projektverantwortliche
Prof. Dr. Florian Schmiedek
Dr. Judith Dirk
Ansprechpartner
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Verena Diel, Dipl.-Psych.
Tanja Könen, Dipl.-Psych.
Jan Kühnhausen, M.Sc.
Anja Leonhardt, Dipl.-Psych.
Kooperationspartner
Prof. Martin Sliwinski (Penn State University, USA)
Prof. Nilam Ram (PennState University, USA)
Prof. Bernhard Schmitz (TU Darmstadt)
Dr. Heiko Rölke und Kollegen (Technology Based Assessment, DIPF)
