Projekt EVA

Evaluation von zwei Präventionsprogrammen in Kindertagesstätten

Erfreulicherweise wird in den letzten Jahren sowohl in der Öffentlichkeit als auch von Fachleuten vermehrt gefordert, Kinder in unseren Kindertagesstätten so früh wie möglich zu fördern. Kinder in diesem Alter sind nach Ansicht von Pädagogen, Psychologen und Hirnforschern noch enorm entwicklungsfähig, wenn ihnen die entsprechenden Förderungen zukommen. Viele Untersuchungen weisen inzwischen darauf hin, wie wichtig es ist, Kinder frühzeitig in ihrer Entwicklung zu unterstützen, um ihre Fähigkeiten zu entfalten, aber auch um späteren Schulproblemen oder Problemen im sozialen Umgang mit Gleichaltrigen, Eltern und Erziehern vorzubeugen. Die Frankfurter Präventionsstudie beschäftigte sich mit genau diesen Fragen: Inwieweit kann man mit Hilfe verschiedener Maßnahmen Kinder im Kindergartenalter in ihrer sozialen Entwicklung unterstützen? Die Ergebnisse der Studie brachten den Nachweis, wie wirksam solche frühen Förderungen von Kindergartenkindern sind.

Das Sigmund-Freud-Institut kann in Zusammenarbeit mit dem Institut für analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie im Rahmen des Forschungszentrums IDeA nun für weitere drei Jahre eine solche frühe Förderung in 14 Kindertagesstätten fortsetzen und sogar erweitern. Unser Anliegen ist es, die Langzeitwirkungen von zwei Frühpräventionsprogrammen FRÜHE SCHRITTE und FAUSTLOS erneut wissenschaftlich nachzuweisen.

Ziele des Projekts

Um Kindergartenkinder bestmöglich in ihrer Entwicklung zu unterstützen, möchten wir die kurz- und langfristigen Wirkungen von zwei Frühförderprogrammen untersuchen: FRÜHE SCHRITTE und FAUSTLOS.

Das Programm FRÜHE SCHRITTE unterstützt und stärkt die sozialen Fähigkeiten und die allgemeine Entwicklung der Kinder. FRÜHE SCHRITTE besteht aus verschiedenen Bausteinen: Das Erzieher/innenteam erhält zweimal im Monat eine gezielte Unterstützung zu Fragen ihres Berufsalltags. Zudem wird ihnen eine erfahrene Kindertherapeutin einmal pro Woche zu Beratungen zur Verfügung stehen. Auch Eltern können diese Fachkraft für Gespräche oder Beratungen zu speziellen Förderungen und Unterstützungen des Kindes nutzen, falls sie dies möchten. Zudem erhalten die Kinder im zweiten Jahr des Projektes das Förderprogramm FAUSTLOS.

In FAUSTLOS lernt das Kind mit Hilfe von Bildern und Rollenspielen, sich in andere Kinder einzufühlen und sie besser zu verstehen. Auch werden Kinder darin unterstützt, mit schwer kontrollierbaren Gefühlen wie Ärger und Wut angemessen umzugehen und in Konfliktsituationen gewaltfreie Lösungen zu finden.

Beide Programme wurden bereits wissenschaftlich untersucht und haben sich bewährt. Es konnte nachgewiesen werden, dass Kinder, die diese Förderung erhalten haben, in den ersten Schuljahren größere soziale und kreative Fähigkeiten entwickeln als solche ohne diese Förderung. Sie können sich besser in die Schulklasse einordnen und Konflikte gewaltlos lösen.

Wir hoffen nachweisen zu können, dass ein großer Prozentsatz der Kinder langfristig von der Förderung profitiert. Es geht uns daher um die Wirkung von FAUSTLOS bzw. FRÜHE SCHRITTE auf die ganze Gruppe der Kinder, nicht um die Entwicklung eines ganz bestimmten, einzelnen Kindes.

Das Projekt möchte auch die Aufmerksamkeit darauf lenken, welche Anforderungen der Beruf des Erziehers bzw. der Erzieherin mit sich bringt. ErzieherInnen leisten einen wertvollen Beitrag zur Förderung unserer Kinder und zu ihrer sozialen Integration. Wir hoffen zu zeigen, dass solche Förderprogramme auch die ErzieherInnen in ihrer wichtigen und anspruchsvollen Arbeit unterstützen können.    

Untersuchungsmethoden

An dem Projekt nehmen 14 zufällig ausgewählte Kindertagesstätten in Frankfurt teil.

Um die Wirkung der Förderung nachzuweisen, bitten wir die Eltern, einmal im Jahr einige Fragebögen auszufüllen (Dauer etwa 20-30 Minuten). Es geht dabei um Fragen, wie sich das Kind zuhause, mit den Eltern und im Umgang mit anderen Kindern verhält, ob es ihm leicht fällt, bei einer Sache zu bleiben, auf andere Kinder zuzugehen oder etwas abzuwarten, und ähnliches.

Um zu erfahren, ob das Kind sich zuhause anders verhält als in der Gruppe, füllen die Erzieherinnen die gleichen Fragebögen aus. Außerdem werden einige spielerische Aufgaben mit dem Kind durchgeführt, die zeigen sollen, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen. Selbstverständlich wird der Datenschutz gewährt: alle Informationen der Kinder werden ausschließlich anonymisiert ausgewertet.

Meilensteine im laufenden Jahr

Die Studie wurde im September 2008 begonnen. Nachdem wir das Einverständnis der Ethikkommission der Psychotherapeutenkammer Hessen bekommen haben, sind wir nun dabei, die Förderprogramme in den Kindertagesstätten einzuführen. Mit der Unterstützung von Eltern und Erzieher/innen werden wir im Frühjahr 2009 die ersten Fragebögen erheben.

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber
Dr. Luise Läzer
Angelika Wolff

Kontaktadresse

eva@idea-frankfurt.eu

 


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