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Projekt ANNA

Was ist das Projekt ANNA?

Die Bildungsforschung konnte in den letzten Jahren in zahlreichen Studien zeigen, dass Kinder bereits vor dem Eintritt in die Schule wichtige Vorkenntnisse besitzen, die ihnen das Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen erleichtern. Kindergartenkinder, die erkennen, dass sich Wörter aus einzelnen Lauten zusammensetzen, haben später beispielsweise seltener Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen. Kindergartenkinder mit einem guten Verständnis dafür, dass Zahlen mit Mengen verknüpft sind, zeigen später seltener Schwierigkeiten beim Erwerb der Schulmathematik. Welche Bedeutung in dieser frühen Entwicklung darüber hinaus den Gedächtnisressourcen eines Kindes zukommt, ist bisher kaum erforscht. Diese Frage steht im Zentrum des Projektes ANNA, das Kinder in ihrer Entwicklung vom Kindergarten- bis ins Grundschulalter begleiten wird.

Fragestellungen

Unsere Langzeitstudie soll Aufschluss darüber geben, ob Kindergartenkinder mit bestimmten Schwächen im Kurzzeitgedächtnis (genauer: Arbeitsgedächtnis) häufiger zu den Kindern gehören, die später Schwierigkeiten beim Erwerb von Lesen, Schreiben oder Rechnen aufweisen. Es wird vermutet, dass Kindergartenkinder mit Schwächen im sprachlichen Arbeitsgedächtnis ein besonderes Risiko für spätere Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, nicht aber für Rechenschwierigkeiten aufweisen. Kindergartenkinder mit Schwächen im visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis sollten hingegen ein besonderes Risiko für spätere Rechenschwierigkeiten, nicht aber für Lese-Rechtschreibschwierigkeiten zeigen. Zu klären, inwieweit diese Hypothesen zutreffen, ist das zentrale Anliegen des Projektes ANNA. In welchem Ausmaß auftretende Schwierigkeiten von den Kindern auch selbst wahrgenommen werden und sich auf ihre Lernmotivation und ihr Lernverhalten auswirken, sind weitere Aspekte, die erforscht werden sollen.

Welche Kinder und welche Fähigkeiten werden untersucht?

Die Kinder unserer Studie sind Vorschulkinder des Jahres 2008/2009, die im Sommer 2009 eingeschult wurden. Da wir die Entwicklung der Kinder über einen längeren Zeitraum begleiten wollen, untersuchen wir ihre Gedächtnisfähigkeiten und ihre frühe Entwicklung im Lesen, Schreiben und Rechnen im halbjährlichen Abstand. Zu jedem Zeitpunkt untersuchen wir die Funktionstüchtigkeit des Arbeitsgedächtnisses der Kinder. So haben die Kinder am Computer beispielsweise Aufgaben zu lösen, bei denen ihnen Dinge ein einziges Mal vorgesprochen oder gezeigt werden und die von den Kindern erinnert werden sollen. Darüber hinaus erheben wir im Kindergartenalter Fähigkeiten, die für das spätere Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen wichtig sind. Nach der Einschulung werden wir schließlich die Schulleistungen der Kinder im Lesen und Schreiben sowie in Mathematik erfassen.

Meilensteine im laufenden Jahr

Bis März 2009 wurden in einem kurzen Screeningverfahren etwa 1350 Kinder hinsichtlich ihrer Gedächtnisfähigkeiten und wichtiger schulischer Vorkenntnisse untersucht. Aus diesen Kindern wurden 127 ausgewählt, um an unserer Langzeitstudie teilzunehmen. Ein Viertel dieser ausgewählten Kinder wies beim Screening Schwächen im visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis auf, zeigte jedoch keine Schwächen im sprachlichen Arbeitsgedächtnis (Gruppe 1: visuell-räumliche Schwächen). Das zweite Viertel umfasst Kinder, die beim Screening ein umgekehrtes Muster in der Funktionstüchtigkeit des Arbeitsgedächtnisses zeigten (Gruppe 2: verbale Schwächen). Zum dritten Viertel gehören Kinder, die in beiden Bereichen Schwächen aufwiesen (Gruppe 3: verbale und visuell-räumliche Schwächen). Schließlich wurden im vierten Viertel etwa 30 Kontrollkinder in die Langzeitstudie aufgenommen, die in keinem der beiden Bereiche Schwächen zeigten (Gruppe 4: keine Schwächen).

Mit den 127 ausgewählten Kindern startete im Mai 2009 unsere Langzeitstudie. Hierbei wurden die Gedächtnisfähigkeiten der Kinder und wichtige schulische Vorkenntnisse umfassend erhoben. Ein halbes Jahr später, im November 2009, wurden die Kinder erstmals in der Schule besucht, um zusätzlich zu den Gedächtnisfähigkeiten die Leistungen der Kinder im Anfangsunterricht zu erheben. Seitdem werden in halbjährlichem Abstand die Schulleistungen der Kinder im Sommer sowie ihre Gedächtnisfähigkeiten im Winter erhoben.

Projektverantwortliche

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
Prof. Dr. Kristin Krajewski

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Maria Worgt, Dipl.-Psych.

Ansprechpartner

Anna-Lena Preßler, Dipl.-Psych.

Kontaktadresse

vorschulgedaechtnis@idea-frankfurt.eu